Originaltitel: Terug naar Kongo
Roman. Malik Verlag 2002
275 Seiten, ISBN: 3890292437


1923 war Lieve Joris Onkel als Missionar in den Kongo gegangen. Jeder seiner Briefe war danach ein Abenteuer für die Zuhausegebliebenen, eine fremde Welt, die lebendig wurde.
Mitte der Achtzigerjahre hat sich die junge Reiseschriftstellerin selbst aufgemacht, den Spuren ihres Onkels zu folgen. Wie er reist sie mit dem Dampfer nach Afrika, mit ihr etliche Belgier, die früher in den Kolonien gelebt hatten und die gegenwärtigen Zustände bekrittelten - und Lieve vorwarnten, worauf sie sich gefasst machen müsse, worauf sie achten müsse.
Zu Beginn ihrer Reise folgt sie den Fußstapfen ihres Onkels; sie besucht die Missionsstationen, an denen er gearbeitet und gelebt hat, besucht die Dörfer, in denen er auch heute noch viel Ansehen genießt. Und sie stellt fest, dass sie die Menschen hier enttäuscht - keiner versteht, warum sie "einfach so" sehen will, wie ihr Onkel damals gelebt hat - für die Afrikaner ist ihr Auftauchen eine Botschaft, ein Versprechen, dass sie weiterführen wird, was ihr Onkel begonnen hat.
In Kinshasa beginnt sie, ohne die Unterstützung der Missionsgemeinschaften zu reisen, versucht, endlich in das richtige, das echte Zaire einzutauchen - sich den Blick nicht verstellen zu lassen von den Geschichten der Priester oder Kolonialisten. Aber mit dem schwarzen Zaire in Kontakt zu kommen ist gar nicht so einfach, wie sie feststellt - es dauert eine Weile.
Ihre Erfahrungen sind anders, als die Berichte der Belgier es erwarten ließen; sie wird nicht ausgeraubt, ihr wird nichts angetan, und auch wenn sie etliche Unbequemlichkeiten auf sich nehmen muss, mit der Wesensart der Afrikaner manchmal ihre liebe Not hat - die staatliche Willkür, von der ihr allerorten berichtet wurde, spürt sie nicht. Zumindest nicht bis kurz vor dem Ende ihrer Reise...
Ich hatte ja schon oft gehört, dass Lieve Joris eine der besten Reiseschriftstellerinnen wäre, deren Bücher man heute am Markt findet. Bislang hatte mich das trotzdem nicht überzeugen können, ihren Büchern die Aufmerksamkeit zu widmen, die sie verdienen - ich dachte eigentlich, dass mich das Genre außer als eigene Reisevorbereitung relativ kalt lassen würde.
Weit gefehlt. "Das schwarze Herz Afrikas" war mindestens so spannend und gut zu lesen wie ein Roman - was natürlich vor allem auf das große Talent der Autorin zurückzuführen ist, ihre Erlebnisse richtig lebendig zu schildern.
Sie lässt uns an ihrem Staunen teilhaben, an ihren eigenen Vorurteilen, am Ärger über die überheblichen Aussagen der Weißen. Man merkt, wie viel Wert sie auf ausgewogene Berichterstattung legt; in ihren Beschreibungen versucht sie, so wertfrei wie möglich zu bleiben, den Leser selbst Rückschlüsse ziehen zu lassen. Und da, wo sie wertet, wird keine "Lösung" angeboten, kein endgültiges Urteil - es ist ein subjektiver Eindruck, mehr nicht.
Mit am Beeindruckendsten war die Schilderung ihrer Fahrt auf dem Zaire - das bunte Treiben, der Handel, der an Bord getrieben wird, das Tribunal, die Tänze, die Musik, die Ungerechtigkeiten... ich hatte beim Lesen das Gefühl, ein stückweit mitzureisen.
Was kann einem besseres passieren als eine Autorin, die das Reisen im Kopf ermöglicht? Eine Empfehlung!
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