P. D. James - Tod an heiliger Stätte

Originaltitel: Death in Holy Orders
Krimi. Droemer 2002
544 Seiten, ISBN: 3426195763

Ein anonymer Brief, in die richtigen Hände geleitet, kann auch bewirken, dass man sich bei Scotland Yard eines bereits abgeschlossenen Falles noch einmal annimmt. Unfalltod lautete das Urteil, das über den seltsamen Tod von Ronald Treves gesprochen wurde. Doch da sein Adoptivvater ein einflussreicher Mann ist und Commander Dalgliesh ohnehin in der fraglichen Region Urlaub machen wollte, verspricht er, sich der Sache anzunehmen.

Ein Wochenende in St. Anselm - mit diesem alten Priesterseminar verbindet er so manche Kindheitserinnerung. Und er kennt auch einige der Geheimnisse und Besonderheiten des Konvents; denn hier, an diesem weltabgewandten Fleckchen Erde, verbergen sich einige sehr wertvolle Kunstschätze. Nicht mehr lange, wenn es nach dem Archidiakon geht. Er will das kleine, elitäre Priesterseminar schließen lassen, zu altmodisch sind die Werte, die hier vermittelt werden. Aber zuvor, und das ist ihm noch viel wichtiger, will er das wertvolle Altargemälde an einen anderen Ort schaffen lassen. Schließlich kennt auch er die Klausel im Testament der Gründerin, die bei Auflösung alle Patres, die zu diesem Zeitpunkt im Konvent sind, reich bedenkt.

Der erste Eindruck, den Dalgliesh vom Archidiakon erhält, ist nicht unbedingt angenehm; denn wider Erwarten ist der Commander nicht der einzige Gast im Konvent, neben dem Archidiakon sind auch noch ein kranker Polizist, eine Lehrerin und ein Forscher hier beherbergt. Und ganz eindeutig befindet sich hier jemand, der den Archidiakon gar nicht leiden kann - denn am nächsten Morgen wird er tot in der Kirche aufgefunden.

Dass ein Außenstehender Schuld sein soll an diesem Verbrechen ist aufgrund der abgeschiedenen Lage auszuschließen. Aber wer sollte hier, an dieser heiligen Stätte, so ein Verbrechen begehen? An Motiven, dass muss er traurig feststellen, mangelt es jedoch nicht...

Es war wirklich ein Genuss, diesen Krimi zu lesen - eine Wohltat, es neben Mord auch mit sprachlicher Finesse, klugen Beobachtungen und sorgfältig gezeichneten Protagonisten zu tun zu haben.

Die Motivation der Einzelnen, das komplizierte Kräfteverhältnis zwischen den Protagonisten, ist ebenso spannend zu verfolgen wie diese fremde, anachronistisch anmutende Welt im Kloster.

Ein kleiner Wehmutstropfen bei aller Begeisterung war für mich die endgültige Auflösung des Falle; aber hier soll ja nicht zu viel verraten werden...

P. D. James

Phyllis Dorothy James, seit 1991 Baroness James of Holland Park, wurde 1920 geboren. Da ihr Mann unheilbar krank aus dem Weltkrieg zurückkehrte, musste sie für sich und die beiden Töchter selbst sorgen. Erst nach langen Jahren in der Krankenhausverwaltung und in der Kriminalabteilung des Innenministeriums konnte sie sich ab 1962 der Schriftstellerei widmen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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