Originaltitel: The Water Method Man
Roman. Diogenes 1972
487 Seiten, ISBN: 3257224451

"Ihr Gynäkologe hat ihn mir empfohlen" - so beginnt der zweite Roman von John Irving. Fred Bogus Trumper hat ein Problem - und soll es angeblich mit Hilfe von Unmengen Wasser in den Griff bekommen können. Aber dieser Ausflug in seine anatomischen Probleme tangiert den Leser trotz interessanter Ausführungen nur periphär; viel interessanter ist es zu lesen, wie Trumper eigentlich in die Situation kam, in der er heute steckt.
Seine Frau und sein Sohn wohnen mittlerweile bei seinem besten Freund, seine neue Freundin Tulpen will ein Kind von ihm und Ralph, für den er als Tonmeister arbeitet, findet, er wäre das ideale Filmobjekt für "Ein Griff in die Scheiße".
Denn eigentlich hat Trumper noch nichts so richtig in die Reihe gekriegt; die Doktorarbeit, an der er schon seit Jahren schreibt geht nicht voran; kein Wunder, wen interessiert schon eine ziemlich blutrünstig-brutale Ballade aus einer Sprache, die so gar nichts poetisches an sich hat? Seine Ehe mit Biggy hat nicht gehalten; sein Sohn hat mehr mit dem Mann gemeinsam, mit dem Biggy jetzt zusammenlebt, als mit ihm. Geld ist immer knapp, seit der Heirat hat sein Vater den Geldhahn zugedreht; und ob nun Tulpen wirklich die richtige Frau für ihn ist, weiß er auch noch nicht so recht.
In seinem zweiten Roman hat John Irving schon wesentlich deutlicher gemacht, welches Talent zum Geschichtenerzähler er hat; Trumpers Geschichte, die in Rückblenden erzählt wird, ist witzig, traurig, derb, komisch, ernst und auch zart zugleich; auch hier gibt es schon genügend absurde Gestalten (man denke nur an Melvil Overturft) - nur die Ballade, die Trumper da übersetzt, dabei neu erfindet und noch verstärkt, die hätte einige deutliche Kürzungen vertragen.
Aber alles in allem: ein vergnüglich zu lesendes Buch!
John Irving wurde 1942 in Exeter, New Hampshire, geboren. Er ist verheiratet und hat drei Söhne. Er lebt in Toronto und im südlichen Vermont.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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