John Irving - My Movie Business

Originaltitel: My Movie Business
Roman. Diogenes 1989
159 Seiten, ISBN: 3257062389

13 Jahre und 4 Regisseure hat es gebraucht, um den hochpolitischen Bestseller John Irvings, "Gottes Werk und Teufels Beitrag", auf die Leinwand zu bringen. Wenn man sich 13 Jahre intensiv mit etwas auseinandersetzt - dann kann nach erfolgreichem Abschluss auch noch ein Buch dabei rauskommen. Und der Oscar für die beste Drehbuchadaption obendrein.

Es war nicht die erste Verfilmung eines Romans von John Irving; bereits zu seinem ersten Roman, "Lasst die Bären los", sollte er ein Drehbuch verfassen, war dazu auch ein Jahr lang in Wien. Nur: irgendwann ging der Produktionsfirma das Geld aus. Der Film wurde nie gedreht.

Aus diesen Zeiten stammt auch Irvings Abneigung gegen Produzenten; sie würden glauben, mit ihrem Geld alles am Film bestimmen zu können, ungeachtet, ob dadurch die eigentliche Aussage des Ursprungsstoffs verlorenginge. Aber der Autor des Buches wäre ohnehin so ziemlich das Letzte, was in Hollywood irgendjemanden interessieren würde.

Als es daher darum ging, das Drehbuch für "Garp und wie er die Welt sah" zu verfassen, wurde Irving zwar gefragt - hat aber dennoch abgelehnt. Und war zwar mit der Auswahl der Schauspieler völlig einverstanden (natürlich nicht, ohne vorher doch Zweifel verspürt zu haben) - aber die Umsetzung seines Romanstoffes empfand er vor Fertigstellung des Films in vielerlei Hinsicht als nicht so gelungen. Dass gerade diese Details es dann waren, die den Film wieder zum Romanursprung zurückbrachten, entdeckte er erst, nachdem der Film vorführbereit war.

Er hat noch viele kleine Geschichte zu erzählen; darüber, wie es ist, Figuren aus einem Plot streichen zu müssen, an allen Ecken und Enden zu kürzen, in Kauf nehmen zu müssen, dass aus der Geschichte einer Freundschaft doch wieder eine Geschichte über die Liebe wird.

Welche Pläne John Irving im Filmbereich noch hat, was er sich vorstellt, wie er gerne arbeiten möchte - das erzählt er hier.

Das Gefühl, das John Irving manchmal ja selber gerne glauben würde, was er da schreibt, werde ich häufig nicht los.

Wenn er zum Beispiel meint, er könne dieses Lamentieren über schlechte Verfilmungen nicht ausstehen; wenn ein Autor nicht wolle, dass sein Buch verfilmt werde, dann dürfe er die Filmrechte nicht verkaufen gilt scheinbar für die anderen Autoren - John Irving will schon lieber mitbestimmen, und zwar nicht zu wenig.

Wer an Hintergrundinformationen über das Leben und Schreiben dieses Autors, der sicherlich zu den bekanntesten der Gegenwart gehört, interessiert ist, der wird in diesem Buch voll auf seine Kosten kommen.

John Irving überschüttet uns hier nicht mit Namen, die ohnehin keinen Menschen interessieren (wie in seinem autobiographischen Text "Vom Ringen und Schreiben") sondern schafft es, auch hier seine lang erprobte Erzählfertigkeit zur Anwendung zu bringen.

Und auch wenn er selbst das Drehbuch zu Gottes Werk und Teufels Beitrag verfasst hat; dass es vielleicht nicht so ganz geklappt hat, das, was er eigentlich damit sagen wollte, rüberzubringen, nicht die Liebesgeschichte in den Vordergrund zu stellen, das klingt deutlich durch.

"My Movie Business" ist eine ergiebige Quelle für alle Leser, die entweder am Filmbusiness oder an John Irving interessiert sind. Viel Spaß beim Lesen!

John Irving

John Irving wurde 1942 in Exeter, New Hampshire, geboren. Er ist verheiratet und hat drei Söhne. Er lebt in Toronto und im südlichen Vermont.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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