John Irving - Garp und wie er die Welt sah

Originaltitel: The World According to Garp
Roman. Rowohlt Verlag 1978
635 Seiten, ISBN: 3499150425

Eine sexuell Verdächtige - das ist Jenny. Was sonst - wenn man als Krankenschwester alleine lebt, keine Ambitionen zeigt, sich zu verheiraten, und trotzdem ein Kind will. Die Zeugungsgeschichte von T.S. Garp ist demnach auch entsprechend skurill.

Um ihm eine gute Schulbildung zu ermöglichen, zieht Jenny mit ihrem Sohn aufs Geländer der Stering-School. Als er alt genug ist, in den Genuss dieser Bildungseinrichtung zu kommen, hat seine Mutter schon alle relevanten Kurse belegt - nur um den Sport, den er ausüben sollte, hat sie sich nie Gedanken gemacht.

Durch Zufall findet Garp also zum Ringen - eine lebenslange Leidenschaft. Ebenso wie auch die Liebe zur Tochter des Ringlehrers, die allerdings erst erobert sein will. Ein richtiger Schriftsteller müsse er erst werden, befindet Helen.

Ein Jahr in Wien - Zeit für seine Mutter, ein Buch zu verfassen, dass zum Leitbild für die Frauenbewegung wird, und für ihn, die Erzählung "Pension Grillparzer" zu verfassen, die ihm Helens Liebe einträgt.

Eine glückliche Ehe - während Helen doziert, übt Garp sich als Hausmann. Und natürlich als Schriftsteller.

Seine Mutter hat in der Zwischenzeit ein Heim für all die verschrobenen Gestalten geschaffen, die bei ihr so auflaufen: Frauen, die sich aus Solidarität mit einem Vergewaltigungsopfer die Zunge rausschneiden ließen, schlimme Misshandlungen, Geschlechtsumwandlungen - die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Eigentlich führen Garp und Helen eine glückliche Ehe. Trotzdem gibt es auch bei ihnen Seitensprünge, Verletzungen, Enttäuschungen. Und als Helen sich in einen ihrer Studenten verliebt, hat das tragische Folgen für die gesamte Familie - und den Studenten....

Eine Skizzierung des Inhalts eines Buches von John Irving zu versuchen, kann nur einen kläglichen Abklatsch von der wirklichen Fülle der Geschichten geben, die er hier auf über 700 Seiten erzählt. Ich entschuldige mich daher jetzt schon bei allen, die das Buch schon gelesen haben, und vieles vermissen; und bei denen, die diesen Genuss noch vor sich haben, weil sie nur unzulänglich darauf vorbereitet wurden, was sie erwarten wird.

Ein Buch der wild wuchernden Phantasien - Bären in Hotelzimmern, ein Kind, dass einem Hund ein Ohr abbeißt, die Empfängnis Garps,... darauf muss man erstmal kommen.

Saftig und deftig sind weitere Attribute, die vielleicht einen kleinen Eindruck von seiner Schreibweise vermitteln mögen.

Wobei ich auch sagen muss: ich war dann doch froh, "nur" die Phantasie John Irvings lesen zu dürfen, denn die Bücher, die Garp schreibt steigern diese Groteske nochmals ganz gewaltig.

Aber es ist auch ein Buch, das von der großen Liebe eines Mannes zu seiner Familie handelt, die er vor allem Unbill beschützen möchte - mit allen Mitteln...

Eine schillernde Geschichte, unglaublich, unmöglich, die alle Gefühlsebenen ungeniert anspricht - sicher nicht jedermanns Geschmack. Aber meiner!

John Irving

John Irving wurde 1942 in Exeter, New Hampshire, geboren. Er ist verheiratet und hat drei Söhne. Er lebt in Toronto und im südlichen Vermont.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©05.05.1995 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing