John Irving - Die imaginäre Freundin

Originaltitel: The imaginary Girlfriend
Roman. Diogenes 1996
164 Seiten, ISBN: 3257061218

Eine schwere Verletzung an der Schulter hindert John Irving 1996 für längere Zeit am Ringen. Als seine Frau es nicht länger leiden kann, dass er in untätig in ihrem Büro herumschleicht, schlägt sie ihm vor, doch etwas über sich selbst zu schreiben - und diesem Umstand haben wir das Entstehen dieses schmalen Bändchens zu verdanken.

John Irving, 1942 als Lehrerspross in Exeter geboren, war alles andere als ein glänzender Schüler. Er war auch kein überragender Ringer - aber, wie ihm sein Trainer immer wieder versicherte - diesen Umstand könne man durch hartes Training zwar nicht wettmachen, aber immerhin kompensieren.

Beim Ringen hat er auch viel Energie für sein Schreiben gewonnen; er hatte gelernt, selbst das Tempo zu bestimmen, das vielleicht etwas langsamer als das Anderer ist, und er hatte eine harte Schule in Disziplin und Ausdauer durchlaufen.

Nach der Exeter Academy wechselt er erst an ein College, das für sein exzellentes Ringerteam bekannt war - und musste hier erkennen, dass mit den Besten zu ringen nicht immer wirklich hilfreich ist, vor allem, wenn man selber eher dem Mittelfeld zuzurechnen ist.

Sein alter Mentor George Bennet empfiehlt ihm, doch für ein Jahr ins Ausland zu gehen - so kommt er nach Wien, bleibt aber nicht lange, denn kurz vor seiner Abreise hatte er eine junge Frau kennen gelernt, die er nicht lange danach auch heiratete.

Was er eigentlich wollte, wusste er schon lange: Ringen - und Schreiben. Dass es aber unglaublich schwer ist, seinen Lebensunterhalt mit Schreiben zu verdienen, war ihm genauso bewusst. Also arbeitete er - bis zum Erscheinen seines großen Erfolges "Garp" als Ringtrainer und Gastdozent für Creative Writing.

Sein Aus fürs Ringen kam allerdings erst später - unter anderem durch die schwere Schulterverletzung, die ihn so lange vom Ringen abgehalten und stattdessen dazu gebracht hatte, über seine Passion zu schreiben...

Der Autor von so bekannten Romanen wie "Garp und wie er die Welt sah", "Gottes Werk und Teufels Beitrag" oder "Hotel New Hampshire" kann es sich mittlerweile leisten, vom Schreiben zu leben.

Dass es allerdings auch bei ihm eine ganze Weile gedauert hat, bis er mit seinen Romanen einem breiteren Publikum bekannt wurde, ist auch bekannt. Wie er die Zeit bis dorthin überbrückt hat, beschreibt er in seinen autobiographischen Essays, die zugleich auch eine Ehrung für alle Lehrer, die ihn auf den Weg gebracht haben, den er heute beschreitet.

Für meine Begriffe konzentriert er sich dabei allerdings zu sehr aufs Ringen, und hier auf die einzelnen Kämpfe, die er bestritten hat - auch noch mit Nennung der Gegner. Das war mir zuviel an Namen.

Was mich wirklich interessiert hätte, wie er an den Stoff für seine Geschichten kommt, wie es ihm beim Schreiben ergeht, wird zwar angedeutet, aber für mich etwas zu kurz abgehandelt.

So ist die "Imaginäre Freundin" zwar sicher für einen Irving-Fan ein informativer Mosaikstein für die Hintergrundinformationen, aber wenn man ganz ehrlich ist: relativ uninteressant.

John Irving

John Irving wurde 1942 in Exeter, New Hampshire, geboren. Er ist verheiratet und hat drei Söhne. Er lebt in Toronto und im südlichen Vermont.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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