Originaltitel: Setting Free the Bears
Roman. Diogenes 1968
507 Seiten, ISBN: 3257213239
Was macht man mit einem Motorrad, wenn man es nicht fahren kann? Man teilt es mit dem, der es ihm eigentlich verkaufen sollte - und fährt gemeinsam los.
Der erste Zwischenstop ist der Schönbrunner Zoo. Eine Schande, findet Siegfried Javotnik, Frei sollten sie sein, diese schönen und komischen Tiere! Und beim Weiterfahren erzählt Javotnik seinem Freund Graff, was während und nach des Krieges mit den Tieren passierte.
Weit kommen sie auch nicht auf ihrer Reise; in der Wachau treffen sie Gallen - und werden von dem hübschen jungen Mädchen im Gasthof ihrer Tante einquartiert, den sie sich nicht leisten können. Aber das wäre noch das kleinere Übel; die Tierliebe geht auch hier mit Javotnik durch. Der Schaden, den er dadurch verursacht, soviel ist klar, kann von ihm nicht abgelöst werden; ein Fall für die Polizei. Und vor der fährt er mit dem Motorrad davon. Aber er will wiederkommen und mit seinem Freund gemeinsam die Tiere im Zoo befreien.
Wär er doch nicht zurückgekommen! Wenn 14 volle Bienenkörbe auf die Straße fallen und aufplatzen, ergibt das eine ganze Menge verärgerter und verängstigter Bienen. Mehr jedenfalls, als auch der größte Tierfreund ertragen kann. Javotnik jedenfalls überlebt diesen Zusammenstoß nicht; seinem Freund bleibt nur das Javotniks Notizbuch.
Was steht nun in diesem von Notizbuch? Seltsame Dinge finden sich wieder - Gedankensplitter über jeden Abschnitt der Reise, aber vor allem: Seine Beobachtungen im Zoo, nachts, wenn nur der Wärter bei den Tieren ist. Und seine Familiengeschichte; darin spielt der österreichische Bundesadler und ein Motorrad eine wesentliche Rolle.
Und je mehr sein Freund davon liest, umso sicherer ist er sich: er muss den letzten Wunsch Javotniks ausführen. Und die Bären loslassen...
Doch, es gibt Passagen in diesem Buch, die man durchaus lesen kann. Die Familiengeschichte Javotniks, die in Rückblenden erzählt wird, lässt schon ahnen, was für ein Geschichtenerzähler John Irving später werden sollte. Aber der Rest des Buches! Die Sprache oft so grausam überladen (das hat er sich später zum Glück abgewöhnt), die Geschichte ziemlich wirr - eigentlich ein ziemlich schreckliches Buch.
Noch nie ein Buch von John Irving gelesen? Dann bitte keinesfalls mit "Lasst die Bären los" beginnen. Danach will man (wenn man den Autor nicht kennt) bestimmt nichts mehr von ihm lesen! Und wenn man ihn kennt, dann kann man auch getrost die Finger davon lassen; es sei denn, man möchte von sich behaupten können, wirklich alles gelesen zu haben, was John Irving bislang geschrieben hat.
John Irving wurde 1942 in Exeter, New Hampshire, geboren. Er ist verheiratet und hat drei Söhne. Er lebt in Toronto und im südlichen Vermont.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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