Yasushi Inoue - Der Stierkampf

Originaltitel: --
Roman. Suhrkamp Verlag 1971
126 Seiten, ISBN: 3518374443

Eigentlich sollte es nur eine große Veranstaltung werden, die die Neue-Osaka-Abendzeitung einem größeren Publikum bekannt machen sollte. Aber je weiter die Vorbereitungen für den Stierkampf voranschritten, umso mehr wurde klar, das vom Erfolg der Veranstaltung auch das weitere Schicksal der Zeitung abhängen würde - und nicht nur der Zeitung; denn Tsugami, der Chefredakteur der Zeitung, spürt, das nun auch die Zeit reif wird, eine Entscheidung über seine Beziehung zu Sakiko zu fällen.

Auf verhaltene Weise wird hier dem Leser gezeigt, wie sich der Druck auf Tsugami immer weiter erhöht, wie immer neue, nicht bedachte Einzelheiten das finanzielle Gerüst der Veranstaltung ins Wanken bringen. Er pokert hoch, Tsugami - und das die Entscheidungen, die er trifft, nicht nur geschäftlicher Natur sind, sondern für ihn selbst auch ein Lebenskonzept in Frage stellt. Tsugami hatte nie etwas zu verlieren - weil er nichts einzusetzen gewillt war...

Auf den ersten Blick ist *Der Stierkampf* eine relativ einfache Novelle, die ein wirtschaftliches Scheitern schildert. Aber wie so oft verbirgt sich dahinter eine weitere Ebene. Auf (in meinen Augen typisch japanisch) verhaltene Weise wird ein Mensch gezeigt, der ein Leben lang gezögert hat, etwas von sich selbst einzubringen, und der darüber im Laufe der Jahre verdörrt ist. Das irrwitzige Angebot, einen Stierkampf in Osaka zu organisieren, wo Stierkämpfe keine Tradition haben, zu einer Jahreszeit, die gefüllte Stadien unwahrscheinlich machen, zeigt Tsugamis Versuch, in letzter Minute, im Winter seines Lebens, noch einmal das Unmögliche möglich zu machen, mit einer einzigen Gewaltanstrengung entweder wieder lebendig zu werden oder allem ein Ende zu setzen.

Ein Rätsel bleibt. Denn die oben geschilderte Lesart ist sicher nur eine von vielen Deutungsvarianten, und um darin sicherer zu sein, müsste man mehr aus der japanischen Kultur wissen, mehr vom Autor kennen. Doch genau dieses verbleibende Rätsel, die Fremdartigkeit, ist auch das, was für mich den Reiz an japanischen Geschichten ausübt.

Yasushi Inoue

Yasushi Inoue, geboren 1907 auf Hokaido starb 1991 und ist mit Recht der im deutschsprachigen Raum meistgelesene Autor aus Japan. Seine Werke wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, einige seiner Romane verfilmt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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