Originaltitel:
Roman. Verlag Antje Kunstmann 2010
208 Seiten, ISBN: 3492259197

Als ich den Klappentext zu diesem Buch las, war ich sofort am Haken: dieses Buch wollte ich lesen. Zwanzig Jahre nach der Wende wird ein gewisser Herr W. (Ähnlichkeiten mit dem Nachnamen des Autors sind bestimmt rein zufällig) zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Nun gut, noch nicht außergewöhnlich. Er erhält diese Einladung jedoch, weil er als "unbekannter Untergrunddichter" gilt und hier über Unterdrückung durch die DDR sprechen soll.
Herr W. begiebt sich also auf Spurensuche - in seinem eigenen Gedächtnis, aber auch bei diesem seltsamen Verein, der ihn da geladen hatte. Und was wird ihm da präsentiert? Eine dicke Stasi-Akte. Wohl gefüllt mit… ja, mit Gedichten. Unter anderem. War er nun doch ein Dichter? Hatte der viele Alkohol, den er in Wendezeiten im Prenzlauer Berg genossen hatte, sein Gedächtnis so sehr getrübt?
Das Rätsel ist schnell gelöst. Es handelt sich um Liebesgedichte, großteils. Geschrieben von einem jungen Mann, der seine Liebste nicht sehen kann, da sie ja im kapitalistischen Ausland wohnt. Für sie dichtet er so tiefschürfende Texte wie
Dringende Bitte
Baby, wenn Du sterbst,
Baby, dann ist Herbst.
Nicht nur diese Jahreszeit.
Sondern alles Landesweit
Hat dann, ehrlich, keinen Sinn,
Wenn Du wärst hin.
Ringsumher sinkt das Niveau,
Sogar im Politbüro.
An muß ich dich flehen,
Nicht von mir zu gehen. (S. 26)
Rayk Wieland, geb. 1965, studierte Philosophie und ist gelernter Reisereporter. Mehrtägige Reisen nach Jerusalem, Rom und Moskau. Mitherausgeber des dreibändigen Standardwerks »Öde Orte«. Zuletzt erschien von ihm »Ich schlage vor, dass wir uns küssen«. Er lebt in Hamburg.
Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen
Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]
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