Nancy Huston - Engelsmal

Originaltitel: L´empreinte de l´ange
Roman. Luchterhand Literaturverlag 2000
252 Seiten, ISBN: 3404921062

Das schrille, nachhaltige Klingeln der Türglocke stört Raphael massiv in seiner Konzentration. Unwirsch öffnet er die Tür - für ein simples Vorstellungsgespräch kann man doch auch warten, bis er sein Flötensolo zu Ende gespielt hat!

Doch das junge Mädchen, das vor der Tür steht, kann unmöglich die Frau sein, die geklingelt hat - dieses wunderschön anzusehende, aber doch sehr abwesend wirkende Wesen.

Soffie bekommt die Stelle als Hausmädchen - sie, die Deutsche, wenige Jahre nach dem Krieg in Paris. Und nicht nur das: binnen weniger Wochen wird sie auch noch geheiratet, sehr zum Missfallen von Raphaels Mutter.

Doch auch wenn Soffie ihm nie Widerstand leistet, alles mit sich geschehen lässt - Raphael, der in tiefer Liebe entbrannt ist, fühlt auch, dass er nie bis zu ihr vordringt.

Als sie schwanger wird, ist er überglücklich - und sie verzweifelt. Die Lähmung, die sie ergreift, erschüttert ihn, doch er kann nicht dagegen ankämpfen.

Doch dann begegnet sie eines Tages András, dem Instrumentenbauer. Ihr Mann hatte sie zu ihm geschickt... und ihm, diesen Mann, zu dem sie sich magisch hingezogen fühlt, kann sie ihre dunkle Seite offenbaren...

Der kurze Textausschnitt, den ich gelesen hatte, hatte mich irgendwie gereizt - und der Anfang des Buches klang auch noch sehr vielversprechend. Soffie, die geheimnisvolle Deutsche, die Raphael willfährig gehorcht, und von ihm verzweifelt geliebt wird - dieses Ringen von seiner Seite, doch endlich ein Stückweit zu ihr vorzudringen stimmte traurig.

Aber danach! Diese wilde, heiße Liebe zu András - die lebt nicht. Dann wird das Buch auch politisch, erzählt vom Kampf der Franzosen in Algerien - und vom Widerstand innerhalb des Mutterlandes.

Was an sich bestimmt auch interessant zu lesen gewesen wäre - aber nicht auf diese Weise. Denn so wie András Soffie immer wieder "die Augen öffnen" will, so versucht die Autorin es auch mit dem Leser, und das auf sehr plumpe Weise.

Nein, wirkliche Freude hat mir dieses Buch nicht bereitet - ich hatte wesentlich mehr davon erwartet.

Nancy Huston

Nancy Huston wurde 1954 in Calgary / Canada geboren. Seit 1973 lebt sie in Paris und hat mehrere preisgekrönte Romane veröffentlicht.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Das könnte Sie interessieren:

Javier Marias - Die sterblich Verliebten

Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©27.03.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2010 LESELUST Daniela & Markus Brezing