Silvio Huonder - Übungsheft der Liebe

Originaltitel: Übungsheft der Liebe
Roman. S. Fischer Verlag 1998
206 Seiten, ISBN: 3596148669

Fabio Bosch ist auf der Flucht. Nachdem er seinen Militärdienst ohne Einwilligung der Behörden beendet hatte, meinten diese, ihn dafür mit 10 Monaten Freiheitsentzug bestrafen zu müssen.

Am Tag, als er sich eigentlich im Gefängnis hätte einstellen sollen, setzt er sich in den Zug in die andere Richtung. Ein Leben in Freiheit will er führen, ein Buch schreiben und reich und berühmt werden.

Im Zug lernt er eine hübsche junge Frau kennen, die ihn ohne viel Federlesen auf der Zugtoillette verführt - ja, das ist das Leben, das er sich vorgestellt hat!

Doch danach passiert erstmal lange Zeit gar nichts. Also auch nichts, worüber man schreiben könnte. Er sucht nach seiner Zugbekanntschaft, findet sie auch - und muß feststellen, daß Sein und Schein manchmal ziemlich auseinanderklaffen.

Und so zieht es ihn wieder in seine Heimatstadt zurück. Da wartet ja außerdem auch noch Karin auf ihn, seine Freundin. Die sich zudem bestimmt schon Sorgen macht.

Doch nicht nur Karin kümmert sich um den jungen Ausreißer. Ein Quartier für eine oder mehrere Nächte zu finden, ist eigentlich kein Problem - der Hauch des Verbotenen wirkt wie ein Zaubermittel…

Im Klappentext wurde vermerkt, daß dieser Roman auf autobiographischen Motiven aufbaut.

Und es ist auch gut vorstellbar, daß ein Teil dieser Geschichte so passiert sein könnte - der Aufbruch in das wilde Leben, die Freiheit, um dann doch erstmal wieder in der Heimatstadt zu landen.

Die Geschichte wird hauptsächlich in Tagebuchform präsentiert; Fabio schreibt, was er eben gerade so erlebt. Das kommt manchmal sehr gut rüber, hin und wieder wirkt es etwas gekünstelt.

Was überhaupt zu seiner Verurteilung geführt hat, seine gesamte Vorgeschichte, erzählt er dem Tagebuch sozusagen auch in Rückblenden. Und hier hat mich gestört, daß sich der Erzählstil dabei jeweils grundlegend geändert hat; da werden plötzlich richtige Geschichten erzählt, gut erzählt übrigens - aber nicht so recht zum Rest passend.

Alles in allem aber gute Unterhaltung!

Silvio Huonder

Silvio Huonder, 1954 in Chur geboren, studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz und an der HDK in Berlin. Er hat mehrere Theaterstücke geschrieben und lebt heute in Berlin.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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