Nick Hornby - About a Boy

Originaltitel: About a Boy
Roman. Kiepenheuer & Witsch 1998
309 Seiten, ISBN: 3426616904

Marcus ist 12. Schon an sich ein problematisches Alter, aber erst recht, wenn man gerade nach London gezogen ist und nun in eine neue Schule muss - und wenn man Fiona als Mutter hat, die nichts von Pop-Musik oder gar Marken-Klamotten hält.

Will ist 36, hat in seinem Leben noch keinen Tag gearbeitet - und hat vor kurzem entdeckt, dass alleinerziehende Mütter ideal für Beziehungen der Art sind, die er sich vorstellt. Um diese Frauen kennen zu lernen erfindet er einen Sohn und schließt sich einer Gruppe Alleinerzieher an.

Dabei lernt er Suzie kennen, Fionas Freundin, die Marcus zu einem der Picknicks dieser Gruppe mitschleppt, um die schwer depressive Mutter mal einen Tag lang zu entlasten.

Dass diese Idee nicht ganz so gut war, stellt sich am Abend heraus, als sie nach Hause kommen: Fiona hatte versucht, sich umzubringen.

Nicht ganz der Abschluss, den Will sich von dem Abend erwünscht hatte. Diese Art Komplikationen liebt er nicht sonderlich, er will sich hier raushalten. Doch er hat nicht mit Marcus gerechnet - der plötzlich vor seiner Tür steht und reingelassen werden will.

Sehr rasch hat Marcus entdeckt, dass Wills Sohn eine Erfindung sein muss. Er setzt Will unter Druck: er würde nichts verraten, wenn Will dafür mit Fiona ausgehen würde. Denn, so hat er sich ausgerechnet: wenn die beiden zusammen wären, dann würde der Verlust von einem der beiden für ihn nicht mehr ganz so schlimm wiegen.

So wenig angetan Will auch erst von Marcus´ Besuchen ist - er gewöhnt sich daran. Und im Lauf der Zeit erfährt er auch von vielen der Probleme, die der Junge an der neuen Schule hat, wo einige ältere Schüler ihm das Leben ausgesprochen schwer machen. Nun ja - Marcus ist auch ein wenig sonderbar. Er kennt keine Musiker, keine Fußballer, sein Haarschnitt und seine Kleider haben nichts modisches an sich. Zumindest hier kann Will helfen; denn wenn er sich für etwas interessiert, dann für Musik.

Ohne es wahrhaben zu wollen, merkt Will, dass er das Leben nicht mehr aussperren kann, und während der folgenden Monate verändert sich nicht nur Marcus…

Dieses Buch hat sich ganz rasch ganz weit oben in meiner Hitliste der Lieblingsbücher katapultiert!

Ich habe mich köstlich amüsiert. Nick Hornby schreibt mit seinem typischen, trockenen britischen Humor. Und gerade Marcus, dieser linkische, humorlose Junge, dem Sarkasmus und Ironie so völlig fremd sind, bringt Situationskomik an den Tag, die einfach auch so richtig schön vorstellbar ist. Wer kennt es nicht, dass Kinder die Gedanken Erwachsener, die diese aus Höflichkeit niemals aussprechen würden, aufs Tapet bringen?

Als modernen Entwicklungsroman würde ich dieses Buch bezeichnen; Marcus lernt, sich in der Welt zurechtzufinden, findet Freunde, merkt, dass es kein Verrat von Überzeugungen ist, wenn man seinen Widersachern keine Angriffsflächen bietet - und vor allem Will lernt, dass sich das Leben und die Verantwortung nicht auf Dauer aussperren lassen.

Unbedingt empfehlenswert!

Will and Megan tore off the paper to reveal some sort of plastic toy that played tunes. Megan looked at it and waved it at Will.

"What now?" said Will.

"Play with her," said Suzie. "God, spot the childless person here."

"Tell you what," said Will. "You play with her." He tossed Suzie the toy. "As I´m so bloody clueless.."

"Maybe you could learn to be less clueless" said Suzie.

"What for?"

"I would have thought that in your line of work it might be handy to know how to play with kids."

"What´s your line of work?" Lindsey asked politely, as if this were a normal conversation amongst a normal group of people.

"He doesn´t do anything." Marcus said. "His dad wrote Santa´s Super Sleigh and he earns a million pounds a minute."

"He pretends he has a child so he can join single parent groups and chat up single mothers, " said Suzie.

"Yeah, but he doesn´t get paid for that," said Marcus.


Nick Hornby

Nick Hornby wurde 1957 geboren und lebt mir seiner Frau und seinem Sohn im Norden Londons. Er studierte in Cambridge und arbeitete als Lehrer, ehe er sich nach dem Erfolg von "Fever Pitch" in England ganz dem Schreiben widmen konnte. Hornby schreibt regelmäß9g für Sunday Times, Time Out, Times Literary Supplement.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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