Originaltitel: Sannheten Bortenfor
Krimi. Piper Verlag 2004
385 Seiten, ISBN: 3492046096


In Hanne Wilhelmsens Leben ist eine Menge geschehen, seit sie sich nach Ceciles Tod und ihrer Flucht nach Italien wieder zurück nach Oslo begeben hat. Mit Nefis ist eine neue Frau, eine neue Liebe in ihr Leben getreten, sie haben geheiratet, sind in eine schicke große Wohnung gezogen – und haben sogar Harry Marry, die ehemalige Prostituierte, die ihr bei der Aufklärung des letzten Falls geholfen hat, als Haushälterin eingestellt.
Und dieses Weihnachtsfest, so ist es geplant, soll sie als erstes seit – ach, seit sie überhaupt zurückdenken kann, nicht arbeiten, sondern zwei Wochen Ferien machen. Aber wie sollte es auch anders sein – just am 19. Dezember wird sie zu einem besonders grausigen Mordfall gerufen.
Gleich vier Tote sind in der Wohnung der Stahlbergs aufgefunden worden; erschossen, ganz offensichtlich in Erwartung einer Feier überrascht worden. Die Klatschspalten waren in den vergangenen Jahren voll gewesen von Berichten über den großen Streit innerhalb der Familie Stahlberg – zwei rivalisierende Brüder, die dem Vater in der Führung der Familienreederei folgen wollten, darüber war die Familie endgültig zerbrochen.
Ein Motiv brauchte also nicht lange gesucht werden – doch wie passte der vierte Tote hier ins Bild? Ein Verlagslektor, ein ehemaliger Elektriker – wie sollte der mit den Stahlbergs in Verbindung stehen?
Während das gesamte Ermittlerteam sich auf die Familie Stahlberg konzentriert, lässt dieser vierte Tote Hanne nicht los. Wieder einmal überwirft sie sich mit ihren Kollegen, um ihrer Intuition zu folgen...
Eine sehr viel größere Rolle als in den letzten Bänden nimmt hier die persönliche Entwicklung der Protagonistin ein; ihr Verhältnis zu ihrer Familie, zu ihren Kollegen, die Probleme, die sie mit sich selbst hat und mithilfe einer Therapie zu lösen versucht, ihre zaghaften Versuche, den Kollegen mit mehr Offenheit zu begegnen... das ist alles sehr nachvollziehbar und außerdem spannend geschrieben.
Auch am Krimiplot an sich gibt es in meinen Augen nur ganz wenig zu meckern; manche Wendungen ahnt man zwar, wird von der exakten Auflösung dann aber doch wieder überrascht. Die tatsächliche Auflösung am Ende allerdings war mir dann doch etwas zu abrupt.
Wer sich für einige Stunden mit guter Krimikost unterhalten möchte, wird mit diesem Buch auf jeden Fall richtig liegen!
Anne Holt, 1958 geboren, arbeitete als Fernsehjournalistin, bevor sie (was ihrer Aussage nach übertrieben ist) zur Stellvertretenden Polizeichefin von Oslo und später zur norwegischen Justizministerin berufen wurde. Ihre höchst erfolgreichen Romane "Das einzige Kind", "Im Zeichen des Löwen" und "Das achte Gebot" wurden mit den wichtigsten Krimipreisen ihres Landes ausgezeichnet. Anne Holt lebt in Oslo.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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