Anne Holt - Das letzte Mahl

Originaltitel: uten ekko
Roman. Piper Verlag 2003
427 Seiten, ISBN: 3492270573

Ausgerechnet auf der Hintertreppe der Polizeiwache wird eine Leiche gefunden - Norwegens aktuell wahrscheinlich populärster Koch, Brede Ziegler, wird mit einem sündhaft teuren Spezial-Küchenmesser in der Brust tot aufgefunden.

So populär er auch gewesen sein mag - dass es genügend Menschen gibt, die ihm doch nicht so wohlgesonnen waren, die ihm sogar den Tod gewünscht hatten, wird den Ermittlern unter Billy T.s Leitung rasch klar.

Aber so groß die Anzahl der Motive ist, so groß ist auch die Anzahl der Verdächtigen - und ihrer Alibis. So richtig greifbar wird nichts davon, die Ermittlungen drehen sich im Kreis - und das liegt nicht zuletzt an der Verwirrung, unter der Billy T. leidet, seit Hanne Wilhelmsen wieder zurück ist.

Nach dem Tod ihrer Lebensgefährtin Cecile hatte sie sich einfach aus dem Staub gemacht, war unauffindbar, für niemanden mehr erreichbar. Alle hatte sie sie im Stich gelassen, sich in ihre Trauer zurückgezogen und dabei viel Porzellan zerschlagen. Das halbe Jahr hatte sie im Kloster verbracht, mit niemandem gesprochen - aber nun war die Zeit für sie reif, fühlte sie sich der Aufgabe gewachsen, ein Leben ohne Cecile weiterzuleben.

Dass ihr der Wiedereinstieg beruflich nicht leicht gemacht werden würde hatte sie erwartet. Dass sie aber so geschnitten werden würde, auch ihre Beiträge zur Ermittlung wie Luft gehandhabt werden würden, trifft sie doch stärker als erwartet. Vor allem als sie merkt, dass der Fall Billy T. aus den Händen gleitet...

Wenn Anne Holt von der Ermittlungsarbeit erzählt, kann sie sich meiner vollsten Aufmerksamkeit sicher sein, denn diesen Kleinkram schildert sie so überzeugend, dass man als Leser das Gefühl hat, mit in diesem unkoordinierten Team der Mordkommission zu sitzen. Auch die persönlichen Probleme der beiden Hauptprotagonisten, Hanne und Billy T., sind über weite Strecken faszinierend und emotional anrührend zu lesen.

Womit ich bei diesem Band meine Probleme hatte, war der Kriminalfall an sich. Immer noch ein und noch ein Verdächtiger wurde eingeführt, hier eine Verwicklung, da ein mögliches Motiv, das alles manchmal eher lieblos miteinander verknüpft und am Ende mehr schlecht als recht aufgelöst; das hat mich nicht überzeugt.

Insgesamt nett, reicht aber nicht an das heran, was ich von der Autorin bereits mit Begeisterung gelesen habe.

Anne Holt

Anne Holt, 1958 geboren, arbeitete als Fernsehjournalistin, bevor sie (was ihrer Aussage nach übertrieben ist) zur Stellvertretenden Polizeichefin von Oslo und später zur norwegischen Justizministerin berufen wurde. Ihre höchst erfolgreichen Romane "Das einzige Kind", "Im Zeichen des Löwen" und "Das achte Gebot" wurden mit den wichtigsten Krimipreisen ihres Landes ausgezeichnet. Anne Holt lebt in Oslo.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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