Anne Holt - Das achte Gebot

Originaltitel: Dod joker
Roman. Piper Verlag 2002
444 Seiten, ISBN: 3492235816

Die Geschichte, die Sigurd Halvorsrud, seines Zeichens Oberstaatsanwalt, der Mordkommission zu erzählen hatte, klang so absurd, dass sie schon wieder glaubwürdig wirkte. Er wollte Zeuge gewesen sein, wie seine Frau von einem Mann mit einem Schwert enthauptet wurde - ohne ihr zur Hilfe zu kommen, eingeschüchtert von einer Waffe, die auf ihn gerichtet war. Doch nicht nur die Unvorstellbarkeit, einen derart grausamen Mord an seiner Frau tatenlos hinzunehmen, macht ihn verdächtig; seltsam ist vor allen Dingen, dass der Mann, der angeblich für diese schreckliche Tat verantwortlich war, wenige Tage zuvor beobachtet wurde, als er sich von der Brücke ins Meer stürzte.

Einzig die fehlende Leiche könnte Halvorsruds Unschuld beweisen. Doch als er auf Kaution freigelassen wird, gibt es erneut einen Mordfall. Ausgerechnet im Keller des Selbstmörders - wo sich auch Fingerabdrücke Halvorsruds finden...

Ein ausgesprochen spannender, sehr gut geschriebener und recherchierter Krimi, der für den Leser immer wieder überraschende Wendungen bereit hält. Es ist nicht immer so, wie es scheint, manchmal ist ein Zufall tatsächlich ein Zufall - und was weiß man als Polizist denn wirklich, auch, wenn ein Gefangener vielleicht ein Geständnis ablegt? Hat man dadurch wirklich den richtigen Schuldigen gefasst?

Das sind die Fragen, die Hanne Wilhelmsen in der letzten Zeit immer stärker quälen. Eine Berufskrise - die tragischerweise auch noch mit einer Lebenskrise zusammenfällt, denn Hanne´s langjährige Lebensgefährtin Cecile hat Krebs.

Hanne ist nicht gut darin, Hilfe von ihren Freunden anzunehmen, sich zu öffnen - gerade in dieser Zeit ist sie ruppiger denn je, tritt um sich, bis nicht nur im Kollegenkreis die Frage laut wird: Was finden wir eigentlich an ihr? Warum lassen wir uns das gefallen?

Als Leser macht man dieses Wechselbad der Gefühle ebenfalls mit - und versteht, was diese Frau trotz ihres unmöglichen Benehmens so anziehend macht. Es sind gerade die Fragen, die sie sich stellt, die Tatsache, dass sie nicht den leichten Weg geht, dass sie an der Grenze zwischen Recht und Gerechtigkeit oft ebenso zu verzweifeln droht, die sie im Kopf des Lesers sehr präsent werden lassen.

Wenn man das Glück hatte, die Autorin einmal persönlich sprechen zu hören, dann erkennt man gerade in Hanne Wilhelmsen auch so einige Züge wieder, die man auch der Autorin sofort abkaufen würde: ein unbändiger Arbeitswille, trotz aller Offenheit ein großer, penibel abgeschirmter privater Bereich, das Einfordern von Leistung bei den Untergebenen - man kann es sich vorstellen.

Anne Holt

Anne Holt, 1958 geboren, arbeitete als Fernsehjournalistin, bevor sie (was ihrer Aussage nach übertrieben ist) zur Stellvertretenden Polizeichefin von Oslo und später zur norwegischen Justizministerin berufen wurde. Ihre höchst erfolgreichen Romane "Das einzige Kind", "Im Zeichen des Löwen" und "Das achte Gebot" wurden mit den wichtigsten Krimipreisen ihres Landes ausgezeichnet. Anne Holt lebt in Oslo.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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