Originaltitel: Dialogues of the Dead
Krimi. Europa Verlag 2001
575 Seiten, ISBN: 3203780135


Eigentlich war es nur eine dieser Ideen, die zu später Stunde geboren werden und nie zur Ausführung kommen; aber seltsamerweise war dieser Idee ein anderes Schicksal beschieden. Der Literaturwettbewerb in Mid-Yorkshire wurde ausgeschrieben und brachte säckeweise Einsendungen von mehr oder weniger talentierten Autoren nach sich. Die Aufgabe, diese Beiträge zu sichten war auf die Bibliothekare Dick Dee und Rye Pomona abgewälzt worden. Sie waren dann auch die ersten, die die erschreckende Ähnlichkeit zwischen einem Wettbewerbsbeitrag und einem mysteriösen Unfall erkannten - ein Verdacht, der sich nach weiteren Beiträgen dieser Art manifestiert.
Es ist der erste Fall, bei dem Hat Bowler mit dem altbewährten Trio Dalziel, Pasco und Wield zusammenarbeiten darf; eine Auszeichnung, die auch ihre Tücken hat. Dalziel im Pub zu versorgen zählt dabei noch zu den angenehmsten Aufgaben.
Doch vorerst stehen die Ermittler vor einem Rätsel. Dass der Mörder ihnen mit seinen Texten nicht nur Hinweise auf die Art gibt, wie er seine Opfer getötet hat, sondern auch auf sich selbst und seine Beweggründe. Er spielt ein Spiel mit ihnen - ein Spiel, das einen sehr belesenen Gegner erwarten lässt...
Seit ich "Das Dorf der verschwundenen Kinder" gelesen habe, bin ich ein Fan von Dalziel, Pasco und Wield. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, zeichnen sich aber vor allem durch eines aus: durch ihre Gabe, um die Ecke zu denken. Diesmal sind besonders ihre intellektuellen Fähigkeiten gefordert.
Sehr rasch kristallisiert sich eine Gruppe von Verdächtigen heraus; mit dem Erkenntnisstand der Ermittler ändert sich auch der Verdacht des Lesers, und zu meiner Freude lag ich schlussendlich nicht nur mit meiner Vermutung richtig, sondern durfte mich auch darüber freuen, dass der Autor seinen Fall plausibel auflöst.
Dass so ganz nebenbei auch noch genug Lokalkolorit eingestreut ist, man mit den Kompetenzstreitigkeiten in öffentlichen Einrichtungen ebenso konfrontiert wird wie mit radikalen Sparplänen von Politikern und korrupten Polizisten macht, wie eigentlich meistens bei den Krimis, die ich bevorzuge, den eigentlichen Lesereiz aus. Reginald Hill entwirft einen kompletten Mikrokosmos mit allen Verwicklungen, Ressentiments, Verpflichtungen, die ein Gemeinwesen normalerweise ausmachen - kurzum, ein Buch, das ich mit großem Vergnügen in einem Zug durchgelesen habe, und dem ich noch viele begeisterte Leser wünsche!
Reginald Hill, geboren in Cumbria, hat viele Jahre in der englischen Grafschaft Yorkshire gelebt, wo auch seine Kriminalromane um Chief Inspector Peter Pascoe und Detective Superintendent Andy Dalziel "spielen"
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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