Reginald Hill - Die dunkle Lady meint es ernst

Originaltitel: Bones and Silence
Krimi. Europa Verlag 1990
416 Seiten, ISBN: 3203780127

"Mord war das, kaltblütiger Mord" behauptet Superintendent Andy Dalziel steif und fest. "Selbstmord" erwidern hingegen die beiden Männer, die Dalziel durch sein Küchenfenster hindurch dabei beobachtet haben will, eine junge Frau erschossen zu haben. Philip Swain hatte seine Frau, die er eigentlich in Amerika glaubte, bei Gregory Waterson entdeckt, mit dem sie seit einiger Zeit ein Verhältnis hatte. Motiv genug für Dalziel - aber nicht für seinen Vorgesetzten.

Auch wenn das Zeugnis eines Polizeibeamten normalerweise schwerer gewertet wird als das eines Zivilisten - wenn der Polizist zum Zeitpunkt seiner Beobachtung sturzbetrunken war, und die Zeugen noch dazu den Tathergang in verblüffender Übereinstimmung erzählen, dann ist es auch um die Glaubwürdigkeit eines Dalziel schlecht bestellt. Dass es sich bei Philip Swain auch noch um den Bauunternehmer handelt, der endlich die Garagen der Polizeistelle baut trägt noch weniger dazu bei, ihn bei halbvollendeter Baustelle hinter Gitter zu bringen.

Aber Dalziel weiß, was er gesehen hat, und er hat ein Team loyaler Mitarbeiter hinter sich. Wield und Pascoe werden auf den Fall angesetzt; und schon nach dem ersten Verhör verschwindet Waterson, Swains Entlastungszeuge. Warum sollte er, wenn wirklich alles so abgelaufen war, wie geschildert? Und welchen Vorteil hatte Swain vom Tod seiner Frau?

Auch wenn "Die dunkle Lady meint es ernst" nicht die Fortsetzung zum letzten Fall von Reginald Hill ist (Die rätselhaften Worte) sondern im englischen Original bereits 1990 erschien, ist dieser Rücksprung in der Reihenfolge nicht störend. Das Privatleben, der berufliche Aufstieg der drei Hauptprotagonisten spielt zwar eine große Rolle in der Reihe, aber die Fälle sind so sehr in sich abgeschlossen, dass keine Verständnisprobleme entstehen.

Auch in diesem früheren Fall glänzt Reginald Hill wieder durch eine temporeich erzählte Geschichte, mit einer großen Portion trockenen, dezenten Humors, literarischen Anspielungen und falschen Fährten. Nur zu Beginn hatte ich manchmal meine Zweifel, ob es sich tatsächlich um den Autor handelt, dessen wohlgesetztem Stil ich erlegen bin; denn Sätze wie auf S. 20, "Pascoe musste sich plötzlich wieder hinsetzen, denn sonst wäre er tatsächlich in Ohnmacht gefallen" passen nicht zu der Art, wie Hill sonst seine Geschichten erzählt. Und somit hoffe ich, dass dieser und andere Unfälle vor allem auf das Konto der Übersetzung gehen.

Davon abgesehen aber sind einige spannende, unterhaltsame Stunden garantiert! Und meinetwegen darf der Verlag gerne noch sehr viel mehr aus der alten Reihe ins Deutsche übertragen - zumal ich die sehr schöne Aufmachung der Bücher durch den Europa Verlag schätzen gelernt habe. Eine Krimiempfehlung!

Reginald Hill

Reginald Hill, geboren in Cumbria, hat viele Jahre in der englischen Grafschaft Yorkshire gelebt, wo auch seine Kriminalromane um Chief Inspector Peter Pascoe und Detective Superintendent Andy Dalziel "spielen"

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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