Reginald Hill - Das Haus an der Klippe

Originaltitel: Arms and Woman
Krimi. Europa Verlag 1999
512 Seiten, ISBN: 3426619830

Nach all den Ängsten, die die Pascoes im vergangenen Sommer um ihre Tochter Rosie ausgestanden hatten, trifft Ellie die Nachricht der zwei Schulbeamten, die plötzlich vor ihrer Tür auftauchen und ihr mitteilen, ihre Tochter wäre krank, wie ein Schlag. Doch sehr rasch merkt sie, dass hier irgendetwas nicht in Ordnung sein kann; die beiden wissen zwar, dass sie eine Tochter hat, die einen Schulausflug macht, aber dass an ihrer Stelle ihr Mann mitgefahren ist, scheint ihnen entgangen zu sein.

Arbeitet Peter Pascoe an einem Fall, der nun auch seine Familie gefährdet? Was ist mit der jungen Frau, die in Untersuchungshaft sitzt, und die er da auf höhere Anordnung hin auch halten soll? Gibt es irgendwelche Straftäter in der Vergangenheit, die ihm die Verhaftung nach wie vor übel nehmen?

Dalziel, Wield und Pascoe, die Unzertrennlichen, drehen sich im Kreis. Doch so sehr sie auch versuchen, die Familie Pascoes zu schützen - dass die Gefahr von ganz anderer Seite droht, dass nicht Peter, sondern Ellie selbst durch ihr Engagement für Menschenrechtsgruppen plötzlich in Gefahr schwebt, damit rechnete keiner...

Einerseits zeichnet sich auch dieser Krimi von Reginald Hill durch intelligente Dialoge, gepflegte Sprache und sorgfältige Beobachtungen aus. Das Familienleben der Pascoes und die Freundschaft der drei so unterschiedlichen Polizisten bringt einem diese Personen so nahe, dass man gar nicht anders kann, als interessiert mitzufiebern, weiterzulesen. Ganz besonders lesenswert sind die Gespräche Ellies mit ihrer Freundin Daphne; zielsichere Frotzeleien, die von großer Schlagfertigkeit zeugen und trotzdem nicht unter der Gürtellinie landen.

Als spannend empfand ich auch die Einschübe der literarischen Fingerübung, an der Ellie Pascoe schrieb; die Erzählung von Odysseus´Abenteuern war richtig spannend und herrlich witzig, außerdem lies sich noch ein wunderbarer Zusammenhang zur realen Geschichte herstellen.

Trotzdem. Es gab etwas, dass trotz dieser vielen Pluspunkte meine Begeisterung etwas zurückhaltender ausfallen lässt, und das ist die Verbindung mit dem Geheimdienst, der eigentliche Plot. Der steht in meinen Augen auf etwas tönernen Beinen, und gerade die dunklen Andeutungen zu Beginn haben mein Interesse nicht gerade wachgerufen.

Aber zum Glück nahmen die für mich wirklich ausgesprochen lesenswerten Teile den Hauptpart des Romans ein - so dass ich ihn nach wie vor gerne weiterempfehle!

Reginald Hill

Reginald Hill, geboren in Cumbria, hat viele Jahre in der englischen Grafschaft Yorkshire gelebt, wo auch seine Kriminalromane um Chief Inspector Peter Pascoe und Detective Superintendent Andy Dalziel "spielen"

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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