Reginald Hill - Das Dorf der verschwundenen Kinder

Originaltitel: On Beulah Height
Krimi. Europa Verlag 1998
541 Seiten, ISBN: 3426619849

Es war ein ungewöhnlich heißer, trockener Sommer, daran sollten sich die Bewohner Dendales später erinnern. Es war der letzte Sommer, den sie in ihrem Dorf verbringen konnten, bevor sie ihre Höfe, Häuser, Felder und Schafweiden verlassen mussten. In diesem Sommer verschwanden in Dendale drei kleine, blonde Mädchen.

Sie wurden nie gefunden. Es gab keine Leichen, keine wirklichen Spuren, kein Muster, nach dem man suchen konnte. Nur Betsy Allgood war jedes mal in der Nähe - und sie hatte jedes mal Benny gesehen. Benny, der allerdings so sehr Teil der Landschaft war, der auf so harmlose Weise außerhalb der Norm war, dass sie ihn nicht bewusst wahrgenommen hatte. Doch gegen Benny lagen keine Beweise vor, man musste ihn wieder freilassen - und seither wurde er nicht mehr gesehen.

15 Jahre später haben sich die alten Bewohner von Dendale in ihrer neuen Heimat eingelebt. Wieder ist es ein außergewöhnlich heißer Sommer - so heiß, dass das Wasser im Stausee zurückgeht, man die Ruinen plötzlich auftauchen sieht. Und wieder verschwindet ein kleines Mädchen....

3 Kindesentführungen in der Vergangenheit, ein Verrückter als Verdächtiger, der noch dazu verschwunden ist - und am Vorabend der Entführung plötzlich wieder gesehen wird, die Worte "Benny ist wieder da" als Graffity an den Wänden; die Spuren scheinen sehr eindeutig, als wieder ein kleines blondes Mädchen spurlos verschwindet.

Ein Teil der Ermittler war auch damals schon mit dabei, musste damals schon resignieren - umso größer der Druck und die Verantwortung, die auf ihnen lastet.

Als Leser ist man den drei Ermittlern häufig schon voraus, manche Wendungen sind vorhersehbar, man fragt sich, warum brauchen sie so lange, wenn es doch so offensichtlich ist?

Am Ende merkt man dann aber, dass man doch zwar auf der richtigen Spur, aber eine Nuance daneben war.

Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass der Erkenntnisstand der Drei durchaus sehr unterschiedlich war, dass dem Einen Details bekannt waren, die er als zu unwichtig gar nicht berichtet, während sie beim Nächsten dann den entscheidenden Lichtblick auslösten - und umgekehrt.

Sehr sorgfältig gearbeitet, von Anfang bis Ende stimmiger Plot, ein Motiv, das wirklich trägt - ja, ich habe einen wirklich guten Krimi gelesen, den ich sehr gerne weiterempfehle. Und es war bestimmt nicht mein letztes Buch von Reginald Hill!

Reginald Hill

Reginald Hill, geboren in Cumbria, hat viele Jahre in der englischen Grafschaft Yorkshire gelebt, wo auch seine Kriminalromane um Chief Inspector Peter Pascoe und Detective Superintendent Andy Dalziel "spielen"

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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