Stefan Heym - Der König David Bericht

Originaltitel: Der König David Bericht
Roman. Suhrkamp Verlag 1976
220 Seiten, ISBN: 3442723566

Ethan, Sohn des Hoshaja, wird gemeinsam mit seiner Frau, der Mutter seiner beiden Söhne und seiner Kebse Lilith an den Hof des Königs Salomo gerufen, um den endgültigen, über jeden Zweifel erhabenen Bericht über leben und Aufstieg des David ben Jesse, Vater des Salomo, zu verfassen.

Eine heikle Aufgabe - schließlich existieren nicht nur lobpreisende Geschichten über das Leben König Davids, und es sind noch viele Menschen am Leben, die ein schlechtes Licht auf dessen Ruf werfen könnten.

Heikel vor allem für einen Schreiber, der sich nicht damit zufrieden gibt, den Herrschenden nach dem Mund zu schreiben - der aber auch nicht den Mut hat, offen zu rebellieren. Und der schlau genug ist zu wissen: schreibt er die ganze Wahrheit, dann kann er nicht mal zwischen den Zeilen verstecken, was tatsächlich geschah, und niemand wird es je lesen können…

Schon alleine der Arbeitstitel, den die Verfassung dieses Berichts in der amtlichen Umgangssprache hat, strotzt nur so vor Ironie; der "einzig wahre, autoritative, historisch genaue und amtlich anerkannte" Bericht sollte dies werden.

Und Stefan Heym hat darin ein Thema eingebettet, dass wohl nie an Aktualität verlieren wird: wie wird durch die Geschichtsschreibung unser Blick auf die Vergangenheit redigiert? Wie ändert sich dieser Blick, je nachdem, wer gerade an der Macht ist?

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt - unter anderem auch darüber, wie das damals wohl wirklich zugegangen sein mag, wenn man die Geschichten in der Bibel liest....

Ein bitterböses Buch - sehr empfehlenswert!

Stefan Heym

Stefan Heym, 1913 in Chemnitz geboren, emigrierte, als Hitler an die Macht kam. In New York schrieb er seine ersten Romane. Nach dem Krieg, gefährdet durch die Intellektuellenhatz des Senators McCarthy, kehrte er nach Europa zurück und fand Zuflucht, aber auch neue Schwierigkeiten in der DDR. Als Romancier und streitbarer Publizist wurde er international bekannt und zählt zu den erfolgreichsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©30.06.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing