Originaltitel: Tod auf der Warteliste
Roman. Zsolnay Verlag 2003
332 Seiten, ISBN: 3552052771


In Laurentis Leben ist zumindest oberflächlich wieder Frieden eingekehrt. Seine Frau ist zu ihm zurückgekehrt, die Kinder sind alle aus dem Haus - und sie beide können ihr neuerworbenes Haus an der Steilküste genießen. Eigentlich war ein solches Haus außerhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten - doch Galvano, der Gerichtsmediziner, hatte zunehmend Schwierigkeiten mit den steilen Stufen zum Haus gehabt und ihnen vorgeschlagen, sein Haus gegen ihre Wohnung mit Fahrstuhl im Zentrum der Stadt zu tauschen.
Dass Laurenti nebenher nach wie vor eine Affäre mit der kroatischen Staatsanwältin Ziva hatte, ohne die Absicht, sich von jemals von seiner Frau zu trennen, konnte er in den vergangenen zwei Jahren geschickt verbergen. Sie waren sich bei der Lösung eines Falles nähergekommen; und nun war es dieser persönliche Kontakt, durch den er lange vor der offiziellen Bekanntgabe erfuhr, dass Petrovac wieder freigelassen werden würde - Petrovac, den sie erst vor wenigen Jahren gemeinsam wegen seines Menschenschmuggels hinter Gitter gebracht hatten.
Das hieß auch wieder verschärften Personenschutz für den Staatsanwalt, der in unermüdlicher Kleinarbeit die Akten zusammengestellt hatte; und das zu einer Zeit, zu der aufgrund der hohen Staatsbesuche die Stadt ohnehin in Aufruhr war.
Und ausgerechnet beim Besuch des deutschen Kanzlers passierte es dann auch: der gefürchtete Zwischenfall. Ein Mann, nur mit einer Operationsschürze bekleidet, sprang von der Böschung und wurde sofort vom ankommenden Auto erfasst und überfahren. Tot. Ein offensichtlich kerngesunder Mann, muskulös und durchtrainiert, ohne ersichtlichen Grund für eine Operation; dazu ohne Papiere und offensichtlich in der ganzen Stadt niemandem bekannt.
Kurze Zeit später wird ein Chirurg schwer verletzt vor seinem Haus aufgefunden: seiner Genitalien beraubt, war er verblutet. Ein Werk der Mafia? Hatte die neue Schönheitsklinik am Karst, die sich bereits einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet hatte, noch andere Geschäftsfelder als Fettabsaugung und Facelifting? Laurentis Nachforschungen scheinen der Klinikleitung jedenfalls nicht zu behagen, denn plötzlich steht er selbst im Scheinwerferlicht und muss sich gegen Korruptionsvorwürfe verteidigen...
In meinen Augen ist "Tod auf der Warteliste" eindeutig der bisher beste Krimi von Veit Heinichen. Als hätte er die ersten beiden Titel gebraucht, um sich richtig warmzuschreiben, geht es hier nach einer kurzen Anlaufphase in vollem Tempo los. Während mir in den ersten beiden Bänden Laurenti als Person noch nicht wirklich glaubwürdig erschienen war, scheint er jetzt mit dem Autor an Sicherheit gewonnen zu haben. Die wunderbaren Streitgespräche mit dem Pathologen Galvano, der in den Zwangsruhestand versetzt wurde und sich mit dieser Tatsache so gar nicht anfreunden kann, sind nach wie vor fester Bestandteil des Buches, und den Kriminalfall fand ich überzeugend und spannend.
Organhandel - davon liest man immer mehr, gerade auch in Krimis wird das Thema immer beliebter. Heinichen zeigt, dass das Thema immer näher an uns heranrückt, dass die Kliniken nicht mehr nur irgendwo in Afrika oder Indien stehen, sondern in Europa. Und dass Europas Osten so verarmt ist, dass die Liste der freiwilligen Lebendspender immer länger wird.
"Tod auf der Warteliste" kann man zwar sicher auch als Stand-Alone lesen; aber Heinichen nimmt sehr stark Bezug auf die früheren Fälle, und das hat mich sehr begeistert. Ein Fall ist hier nicht mit der Verhaftung abgeschlossen; Rädelsführer kommen wieder frei, ein Verbrecherring ist nicht sofort zerschlagen, nur weil der Anführer ihn gerade nicht selbst leiten kann. Nachdem Laurenti sich nicht mit kleinen Fischen, sondern internationalen Verbrecherorganisationen abgibt, macht das einen großen Schritt in die Glaubwürdigkeit aus.
Die geographische Lage der Stadt, die Nähe zur drei Staatsgrenzen, der Hafen - das alles spielt eine wichtige Rolle, ebenso wie der zeitpolitische Hintergrund. Welchen Einfluss Politik auf das Leben in der Stadt hat, welche Fäden gezogen werden, wie es auch mit den internationalen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland aussieht ist gerade momentan aktueller denn je.
Einmal im Buch gefangen, konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen - und empfehle es nicht nur Italien-Fans weiter!
Veit Heinichen, geboren 1957, arbeitete als Buchhändler und für verschiedene Verlage. 1994 war er Mitbegründer des Berlin Verlags und bis 1999 dessen Geschäftsführer. Er kam 1980 zum ersten Mal nach Triest, wo er heute lebt. Unter dem Titel Grenzgänge berichtete er für die Badische Zeitung aus der Hafenstadt an der nördlichen Adria.
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Zeruya Shalev nimmt auch in diesem Roman ihre Leser mit auf eine Reise in die Dunkelkammer der Familien: lieblose Ehen, qualvolle Mutter-Kind-Beziehungen und die Besessenheit von der Gewissheit, dass es für den Rest des Lebens noch mehr geben muss als das, was die Gegenwart bietet. [..MEHR..]
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