Veit Heinichen - Gib jedem seinen eigenen Tod

Originaltitel: Gib jedem seinen eigenen Tod
Krimi. dtv Der TaschenbuchVerlag 2001
351 Seiten, ISBN: 3423205164

Italien ist um einen Verbrechensschauplatz und einen Kommissar reicher - die deutsche Krimilandschaft auch. Mit "Gib jedem seinen eigenen Tod" feiert Veit Heinichen, Mitbegründer des Berlin-Verlags, sein literarisches Debüt.

Kommissar Proteo Laurenti ist nicht in Triest geboren und aufgewachsen. Ein Umstand, der ihm auch jetzt, nach über 20 Jahren, immer wieder dezent vorgehalten wird. Die Heirat mit einer der schönsten jungen Frauen Triests, die aus einer einflussreichen Familie stammt, war zwar hilfreich, aber nicht genug.

Und nun wird Laurenti wieder mit dem allerersten Fall konfrontiert, mit dem er in Triest seinen Dienst antrat. Damals war die Frau eines Österreichers über Bord gegangen und nie wieder aufgetaucht. Ein Unfall, behauptete ihr Mann. Ein höchst bedauerlicher Unfall, zumal gerade zu diesem Zeitpunkt Haie in der Adriabucht gesichtet worden waren. Und etwas anderes konnte Laurenti ihm nie beweisen. Trotz der ungewöhnlich hohen Lebensversicherung, die auf die Frau ausgestellt war, trotz der Schulden, die der Österreicher zu diesem Zeitpunkt hatte.

Und nun treibt die Yacht des Österreichers unbemannt auf das Ufer zu. Vom Eigentümer keine Spur - nur ein paar Spuren am Ankerseil, die auf unfreiwilliges Verlassen des Schiffes schließen lassen.

Die Lebensgefährtin des Österreichers scheint nicht sonderlich besorgt, als ihr die Situation geschildert wird. Auch in seiner Firma gibt man sich unbeeindruckt; ein Grund mehr für Laurenti, genauer hinzusehen.

Und schon bald häufen sich die Vermutungen, dass es sich beim Import-Export-Geschäft, das der Österreicher betrieben hatte, um Betrugsmachenschaften im großen Stil handelte. Die Prostitution, in Italien verboten, hatte in der letzten Zeit einen seltsamen Aufschwung erlebt, und auch an Katastrophenhilfe lässt sich einiges verdienen. Aber nicht immer legal. Und man braucht ein großes Netz an einflussreichen Freunden, die hier und da ein Auge zudrücken und sich ihre Blindheit teuer bezahlen lassen.

Auch in den Reihen der Polizei gibt es Verdächtige; auch hier lassen sich Beamte bestechen. Es gibt nur einen Weg, herauszufinden, ob man sich auf die Loyalität der anderen verlassen kann; Laurenti stellt eine Falle auf...

Proteo Laurenti wird mir immer in Erinnerung bleiben als der Polizist, der permanent schwitzt und dabei doch immer wie aus dem Ei gepellt aussehen möchte. Der, wann immer sich die Gelegenheit ergibt, kurz ins Wasser springt und schwimmt. Sehr menschlich - und die Vermutung liegt nahe, dass wir zukünftig noch mehr Fälle gemeinsam lösen werden.

Veit Heinichen ist es gelungen, uns ein ansprechendes Bild Triests einzuprägen - mit all der Schönheit, die es ausstrahlt. Auch wenn der Krimiplot an sich häufig ins Hintertreffen geriet, alleine die Beschreibungen der Stadt und des Umlands machen so viel Spaß, dass es sich lohnt, dieses Buch zu lesen.

Veit Heinichen

Veit Heinichen, geboren 1957, arbeitete als Buchhändler und für verschiedene Verlage. 1994 war er Mitbegründer des Berlin Verlags und bis 1999 dessen Geschäftsführer. Er kam 1980 zum ersten Mal nach Triest, wo er heute lebt. Unter dem Titel Grenzgänge berichtete er für die Badische Zeitung aus der Hafenstadt an der nördlichen Adria.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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