Originaltitel: Mein erstes Tshirt
Erzählung(en). Piper Verlag 2001
150 Seiten, ISBN: 3492270255


T-Shirts - nein, das gab es damals nicht. T-Shirts hießen "Nicki". Und das von Jakob Hein war gelb und wurde fast täglich getragen; aber das ist nicht alles, was man in diesen Erzählungen erfährt. Er erzählt Details aus seiner Kindheit; und da er in meinem Alter ist, macht es Spaß, diese Erinnerungen mit den Eigenen zu vergleichen.
Da wird vom Kindergarten erzählt und davon, wie gefährlich das Leben doch war, Tag für Tag; alleine schon das Trinken von Wasser aus dem Wasserhahn rief sofort entsetzte Reaktionen der Kindergärtnerin hervor. Schule war eine Herausforderung für sich: Langeweile, jeden Tag, bis auf wenige Ausnahmen. Da gab es den Russischlehrer, der auf Lehrstoff verzichtete, aber in jeder Stunde von seinen Kriegserlebnissen erzählte - auf russisch, versteht sich. Eine Methode, die funktionierte - bei den Leistungstests schnitt die Klasse jeweils hervorragend ab.
Mit fortschreitendem Alter werden auch die Mädchen interessanter; von Schein und Sein, Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen erzählt Jakob Hein hier auf eine sehr amüsante Weise; er plaudert, versteht es geschickt, seine Pointen zu setzen. Bekannt wurde er durch seine Präsenz auf den Berliner Vorlesebühnen; und hier kann man sich seine Geschichten auch wunderbar vorstellen, denn sie sind in einem Rhythmus geschrieben, der dazu einlädt, laut zu lesen.
Wladimir Kaminer schrieb das Vorwort zu diesen Erzählungen; dass Jakob Hein jetzt allerdings nur im Schlepptau des Ruhmes bekannt wird, wird ihm nicht gerecht. Nicht nur die Thematik differiert; Hein hat auch ein besseres Feeling dafür, wie lange eine Geschichte geraten darf, wie man den Spannungsbogen vom Beginn bis zum Ende hält und wo man die Überraschungseffekte setzt. In diesem Zusammenhang ist er auch besser mit Horst Evers zu vergleichen, dessen Geschichten aus dem Wedding den Fans der Berliner Kleinkunst schon sehr viel Gelegenheit zum Lachen geboten haben.
Alles in allem: eine Empfehlung. Entspannend und locker, amüsant und spritzig; und zum Glück verschont der Autor uns auch weitgehend vor Moralismen und Ostalgie.
Jakob Hein (Sohn von Christoph Hein) wurde 1971 in Leipzig geboren, 1977 hat er die ersten Geschichten geschrieben und sie seiner Mutter vorgelesen. Später entdeckte er die Möglichkeit, seine Geschichten auch anderen Leuten als seiner Mutter vorzulesen. Das macht er jetzt jeden Sonntag auf der Reformbühne "Heim und Welt" im "Kaffee Burger". Drei seiner Geschichten sind auch in Wladimir Kaminers "Frischen Goldjungs" erschienen. In Wirklichkeit ist Jakob Hein Arzt an der Berliner Charité.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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