Josef Haslinger - Opernball

Originaltitel: Opernball
Roman. C. Bertelsmann Verlag 1995
428 Seiten, ISBN: 3596135915

Der Wiener Opernball - DAS Ballereignis, nicht nur in Österreich bekannt, mit Fernsehübertragungen in dutzende Länder.

Doch diesmal wird dieser Ball Ziel eines Giftgasanschlags. Und die Kameras laufen weiter, zeigen, wie die Menschen wie in einer Gaskammer krepieren.

Unter den Opfern war auch sein Sohn Fred, zu dem er erst vor kurzem, seit er ihn von den Drogen runtergebracht hatte, wirklich Kontakt fand. Fred, der für ihn als Kameramann gearbeitet hatte, dem eingeschärft worden war, unter keinen Umständen seinen Platz zu verlassen.

Er fängt an zu suchen, wer hinter diesem Anschlag steckt, stößt auch auf eine mysteriöse Untergrundorganisation mit noch diffuseren Zielen. Doch je länger er forscht, um so stärker drängt sich ein fürchterlicher Verdacht auf; welchen Nutzen ziehen die Medien aus dieser Geschichte?

Eric Claptons Lied "Tears in Heaven" ist Freds Lieblingslied. Es wird auch auf seiner Beerdigung gespielt. Und ich kann das Lied nicht mehr hören, ohne auch an dieses Buch zu denken.

Einerseits bleibt ein Schock. Der Gedanke, daß der beschriebene Anschlag leicht durchführbar ist. Daß auch das Verhalten der Medien vielleicht derzeit noch etwas diskreter - aber ziemlich ähnlich wäre.

Auf der anderen Seite die Geschichte einer komplizierten Vater-Sohn-Beziehung, die erst im Entstehen war, als der Vater fürchten mußte, den Sohn für immer an die Drogen zu verlieren.

Es ist ein heftiges, zum Teil sehr brutales Buch. Ein Buch, das innerhalb kurzer Zeit den Leser entweder vergrault oder völlig in den Bann zieht. Ich kann es nur aus ganzem Herzen empfehlen.

Josef Haslinger

Josef Haslinger, 1955 in Zwettl (Niederösterreich) geboren, lebt in Wien als freier Schriftsteller.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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