Petra Hammesfahr - Lukkas Erbe

Originaltitel: Lukkas Erbe
Krimi. Rowohlt Verlag 2000
384 Seiten, ISBN: 3499227428

Jetzt ist alles vorbei. Ein schrecklicher Sommer ist vorüber, der so vielen jungen Mädchen in dem kleinen Dorf das Leben gekostet hatte, ein Sommer, der Ben zum Verdächtigen gemacht hatte, er könnte dieser Mädchenschänder sein. Ben, der junge Mann mit dem Äußeren eines Riesen und dem Verstand eines Kleinkindes. Ein Sommer, der auch seiner innig geliebten kleinen Schwester fast das Leben gekostet hätte.

Aber die Nachwirkungen sind immer noch da. Immerhin hat Ben, wenn er auch kein Mörder ist, doch die Mädchen vergraben - was allerdings geheim gehalten wurde. Aber seine Mutter ist jetzt angeklagt, weil sie alle Anzeichen, dass ihr Sohn damit in Verbindung stehen könnte, vernichtet hatte. Die Familie zerbricht an ihrer Schuld; die Mutter stirbt, die Schwestern wollen schon lange nichts mehr mit ihrem Bruder zu tun haben, und der Vater ist mit seiner Kraft ebenfalls am Ende.

Ausgerechnet Bruno beschließt, Ben in seine Obhut zu nehmen. Bruno, der eine Weile auch unter Verdacht stand, mit den Morden etwas zu tun zu haben; zu gut bekannt war im Dorf, dass er dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan war, und seiner Frau bestimmt nicht treu war. Auf Bens Bauernhof passiert etwas, was für Ben die Rettung sein könnte: Patricia, die Freundin von Brunos Sohn, fängt an, sich mit Feuereifer um ihn zu kümmern. Und sie erreicht auch etwas damit; sie schafft es, dass sich sein Wortschatz etwas erweitert, und sie erkennt auch, wie schön die kleinen Schnitzereien sind, für die er sein scharfes Messer immer verwendet hatte. Aber was diese Schnitzereien eigentlich bedeuteten - das erkennt sie nicht.

Erst Miriam Wagner erkennt nach und nach, was Ben in seinen Schnitzereien darstellt. Miriam - Lukkas Erbin. Einst wollte Heinz Lukka ihre Mutter heiraten, doch dann gab es diesen schweren Unfall, bei dem die Mutter starb. Dass Lukka der Mädchenmörder sein könnte - damit kann Miriam nicht ohne weiteres fertig werden. Sie will für sich die Wahrheit herausfinden. Aber was Ben da zeichnet, erkennt sie erst zu spät - denn Lukka war nicht der einzige Mädchenmörder in diesem Dorf....

Fortsetzungen haben die Eigenart, nie an den ersten Teil heranzureichen. Aber weil es sie gibt, will man - wenn man den ersten Teil mochte - doch wissen, wie es weitergeht, will noch mehr dazu erfahren, was vielleicht im ersten Teil nicht völlig aufgelöst wurde.

Heraus kommt dann zum Beispiel so etwas wie "Lukkas Erbe". So spannend und packend trotz der Unzahl von beteiligten Personen "Der Puppengräber" auch war - daran kann dieser zweite Teil einfach nicht anschließen. Lange hat man den Eindruck, auch die Autorin wusste nicht so recht, wohin sie die Geschichte denn nun laufen lassen sollte; und so ergibt das Buch auch am Ende kein schlüssiges Ganzes, zu oft wurde die Richtung geändert.

Die verschiedenen Zeitebenen, die permanent nebeneinanderher und ineinander übergehen, tragen nicht unbedingt zu ungestörtem Lesegenuss bei, es nervt irgendwann, sich ständig orientieren zu müssen, was nun davor oder danach geschah.

Wer unbedingt wissen will, was sich in dem kleinen Dorf nach dem Blutsommer getan hat, der wird sich ohnehin nicht davon abhalten lassen, dieses Buch zu lesen. Dem kann man nur raten: direkt im Anschluss an den ersten Teil, da sind die vielen Namen noch mit Geschichten im Gedächtnis. Aber ansonsten kann man auch getrost auf diesen Krimi verzichten; die Autorin kann Besseres.

Petra Hammesfahr

Petra Hammesfahr, geb. 1952, lebt als Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Kerpen bei Köln. Ihr Roman "Der stille Herr Genardy" wurde in mehrere Sprachen übersetzt und erfolgreich verfilmt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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