Christian Haller - Die verschluckte Musik

Originaltitel: Die verschluckte Musik
Roman. Luchterhand Literaturverlag 2001
267 Seiten, ISBN: 3630871003

Einen Roman verspricht der Buchumschlag; leider ein leeres Versprechen, denn als Roman würde ich diese lose gestückelten Erinnerungsfragmente nicht bezeichnen.

Seit sie damals Bukarest auf dem Schiff verlassen hatte, war seine Mutter nicht mehr in Rumänien gewesen – doch viele ihrer Rituale und Redewendungen zeigten, dass der Ort ihrer Kindheit in ihr immer noch lebendig war.

Von der Teestunde erzählt sie ihrem Sohn, als dieser noch ein Kind ist, von den süßlichen Fleischpasteten, die bei einem bestimmten Bäcker zu holen zum guten Ton gehörte - und von der Straße, in der sie aufwuchs. Aber sie sollte nie wieder einen Fuß in dieses Land setzen. Und daher reist er an ihrer Stelle, reist nach einem Jahrhundert an den Ort, der für seine Familie so viel Bedeutung gewonnen hatte.

Aber das Rumänien, das er hier vorfindet, hat nicht mehr viel gemein mit dem Ort, den es hier vor dem zweiten Weltkrieg gab. Was im Krieg nicht unterging, wurde dann unter Ceaucescu zerstört…

Auch wenn man immer wieder Szenen geschildert erhält, die einen kurzen Blick auf eine andere Zeit, eine andere Gesellschaftsordnung erlauben – der Großteil des Buches ist leider furchtbar langweilig und anstrengend.

Permanent wechseln die Erzählperspektiven, die Zeitläufe, häufig ohne erkennbaren Übergang. Die Kindheit der Mutter, des Sohnes, des Großvaters verschwimmen hier – bald ist nicht mehr klar, wer denn nun gerade den Leser unterhält.

Aufgrund des Klappentextes und meines Interesse für Rumänien war ich schon sehr positiv gespannt auf dieses Buch, wurde aber – unter anderem - durch die entsetzliche Handlungsarmut des Romans dann enttäuscht. Ein Buch, das man nicht gelesen haben muss.

Christian Haller

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©13.05.2002 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing