Doja Hacker - Nach Ansicht meiner Schwester

Originaltitel: Nach Ansicht meiner Schwester
Roman. Piper Verlag 2000
159 Seiten, ISBN: 3492233562

Eigentlich war es nur als Übergangslösung gedacht; nach der Trennung von ihrem Freund zieht sie zu ihrer kleinen Schwester Jill. Vielleicht wird es ja ganz lustig, dachte sie - denn komisch ist es schon, mit Mitte / Ende Zwanzig plötzlich wieder zusammenzuwohnen.

Und beide wissen sie noch nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen; Jill macht eine Ausbildung zur Buchhändlerin, und sie selber? Sie schreibt hin und wieder für Zeitungen, aber ansonsten träumt sie auch viel vor sich hin.

Von Jan zum Beispiel; den hatte sie bei einer Reise in Polen kennengelernt. Natürlich ist er um einiges älter, verheiratet - aber sie hatte immer schon einen Hang zu älteren Männern. Ihm zuliebe kauft sie sich ein Haus in Polen.

Immer wieder werden auch die Eltern, die sich schon vor Jahren getrennt haben, aktuell; und an ihrem Beispiel, an diesem einfach-nicht-miteinander können, erlebt sie schließlich auch das Ende ihrer eigenen Liebe...

Zu Beginn fand ich diesen Roman als sehr erfreulich, ansprechend, interessant - irgendwann dazwischen kam mir dieses Gefühl abhanden. Statt dessen stellte sich Langeweile ein.

Auch wenn das Tempo zum Ende hin wieder anzieht, und der Gesamteindruck nach wie vor ein sehr positiver bleibt, frage ich mich: und? Was ist jetzt eigentlich wirklich passiert? Was ist die Quintessenz?

Aber von diesem kleinen Manko einmal abgesehen, handelt es sich um einen sehr netten deutschen Debütroman.

Doja Hacker

Doja Hacker wurde 1960 in Hamburg geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit in Kiel und ging 1979 nach Berlin, um zu malen. Nach einer halben Ausbildung studierte sie Literaturwissenschaft und schrieb Kritiken für verschiedene Tageszeitungen. Seit 1995 schreibt sie für das Kulturressort beim "Spiegel" in Hamburg.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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