Wolf Haas - Das ewige Leben

Originaltitel: Das ewige Leben
Krimi. Piper Verlag 2003
220 Seiten, ISBN: 349224095X

"Jetzt ist schon wieder etwas passiert." Mit diesem schon Kult gewordenen Eröffnungssatz beginnt auch der sechste und wohl auch letzte Band aus der Krimi-Reihe um Simon Brenner, den kauzigen Privatdetektiv.

Kopfschuss, Selbstmordversuch hatte die Diagnose gelautet, als er in die Klinik in Puntigam eingeliefert wurde. Hoffnungslos. Aber Brenner wäre nicht Brenner, wenn er die an ihn gestellten Erwartungen erfüllen würde. Statt zu sterben, wacht er lieber wieder auf - und behauptet steif und fest, sich garantiert selbst keine Waffe an den Kopf gesetzt zu haben.

Natürlich glaubt ihm kein Mensch. Vor allem nicht, als er darauf besteht, ausgerechnet der Kripochef von Graz wäre verantwortlich für die Kugel in seinem Kopf. Warum, das kann er leider selber nicht mehr erklären - denn ganz ohne Wirkung ist diese Schussverletzung nicht geblieben, in seinem Langzeitgedächtnis herrschen große Lücken.

Dass er diese Lücken selber füllen muss weiß er allerdings - und auch, dass er dazu aus dem Krankenhaus raus muss. Die Erinnerungen kommen manchmal recht schmerzhaft zurück - durch neue Schläge auf den Kopf zum Beispiel, denn seine Ermittlungen stoßen nicht unbedingt auf Gegenliebe...

Auch wenn es bei den Brenner-Krimis relativ wenig um den eigentlichen Krimiplot geht, wäre es doch schade, noch mehr von der Handlung zu verraten. Da gibt es in diesem letzten Fall wieder so einige Wendungen, die gleichermaßen überraschen, amüsieren und ein nicht gerade angenehmes Stück Wahrheit transportieren.

Typisch österreichisch eben. Unter der charmanten Oberfläche verbergen sich die kleinen Giftspitzen, und die respektabelsten Persönlichkeiten haben genügend Dreck am Stecken, wie man gerade in diesem Buch wieder auf sehr vergnügliche Weise feststellen kann.

Wolf Haas hat nicht nur eine ganz eigene Brenner-Sprache eingeführt, er hat auch einige sehr eigenwillige Metaphern, die man in anderen Büchern vielleicht als überzogen oder lächerlich empfinden würde, die hier aber einfach stimmig sind und das besondere Flair mittragen. Wenn der Weg einer Pistolenkugel durch das menschliche Gehirn auf dem Grazer Stadtplan nachvollzogen wird, dann ist das ein Bild, das man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Es gilt mittlerweile als gesellschaftsfähig, Wolf Haas zu lesen. Seine Krimis gelten als "literarisch" und werden wegen der eigenwilligen Sprache gefeiert. So ist sein neuestes Buch auch nicht mehr in der Reihe der Rowohlt-Krimis erschienen, sondern als Hardcover bei Hoffmann & Campe; ein weiter Weg. Der aber, wenn man dem ausgesprochen sympathischen Autor Glauben schenken darf, mit dem sechsten Fall auch tatsächlich ein Ende gefunden hat - denn nie gibt es eine bessere Zeit zum Aufhören als zu Zeiten großen Erfolges.

Mit "Das ewige Leben" ist Wolf Haas wirklich ein fulminanter Abschluss gelungen - spritzig, witzig, und wunderbar böse!

Wolf Haas

Wolf Haas wurde 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer geboren. Nach Abschluss seines Linguistik-Studiums arbeitete er zwei Jahre als Uni-Lektor in Swansea (Südwales). Seit 1990 lebt er in Wien. In Österreich wurde er unter anderem durch seine Mazda-Werbung sowie die Kampagne "Lichtfahrer sind sichtbarer" bekannt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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