Wolf Haas - Der Knochenmann

Originaltitel: Der Knochenmann
Krimi. Rowohlt Verlag 1996
155 Seiten, ISBN: 3499432587

Für seine Grillhendln ist er nicht nur in der Steiermark bekannt, der Löschenkohl.

Aber im Moment wär ihm ein bisschen weniger Bekanntheit fast schon lieber; jetzt ist er nämlich in aller Munde, weil unter den ganzen Hühnerknochen, die Tag für Tag anfallen - und bei 1000 Hendln am Tag, da ist das schon eine ganze Menge! - weil also unter diesen Hühnerknochen auf einmal Menschenknochen gefunden worden sind.

Natürlich, Polizei war da, hat nichts gefunden, jetzt kümmert sich Aktenzeichen XY darum. Und der Brenner. Den hat nämlich die Chefin ganz hysterisch angerufen. Aber als er dann angekommen ist, der Brenner, da war sie nicht da. Und am nächsten Tag auch nicht. Und dann hat ihr Mann gemeint, sie wäre verschwunden.

Aber das ist nicht das Aufregendste, was in Klöch so passiert. Wirklich aufregend ist erstmal der Fußballcup - und dass sie da gegen die Oberwarter gewonnen haben, obwohl sie ein paar Klassen tiefer gespielt haben. Aber nur, weil der Jugo, der beim Löschenkohl die Knochenmühle bedient, weil der jeden Elfmeter gehalten hat.

Und ein paar Tage später, beim Fußballtraining, ist unter den Bällen ein Kopf. Vom Stürmer von den Feldbachern, gegen die sie erst vor kurzem verloren haben. Auch ein Jugo.

Da stinkt nicht nur der Abfall von der Grillstation zum Himmel, das ist auch dem umständlichen Brenner klar...

In seiner typischen Manier erzählt Wolf Haas auch hier wieder von einem typisch österreichischen Dorf, diesmal in der Steiermark. Und er bringt dabei auch die typische Problematik unter: die Nähe zu Jugoslawien, den Krieg, die Gastarbeiter - und das alles mit beißendem schwarzen Humor.

Die Krimihandlung hat mich noch bei keinem der Bücher von Wolf Haas begeistert - aber ich lese sie alle gerne, weil er es schafft, die Mentalität der Österreicher mit seinen knappen Worten und unvollständigen Sätzen ganz genau zu treffen.

Wolf Haas

Wolf Haas wurde 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer geboren. Nach Abschluss seines Linguistik-Studiums arbeitete er zwei Jahre als Uni-Lektor in Swansea (Südwales). Seit 1990 lebt er in Wien. In Österreich wurde er unter anderem durch seine Mazda-Werbung sowie die Kampagne "Lichtfahrer sind sichtbarer" bekannt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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