Originaltitel: Rezach baderech beit lechem
Krimi. Goldmann Verlag 2003
448 Seiten, ISBN: 3442458439


Michael Ochajon und sein Kollege Dani Balilati waren auf dem Weg zu einer Wohnungsbesichtigung, als die Nachricht von der Entdeckung einer weiblichen Leiche ganz in der Nähe sie aufhält.
Das sollte nicht die einzige Überraschung sein, die Ochajon dabei erwartete: die Frau, die die Leiche entdeckt hatte, war ihm seit langem bekannt, auch wenn er sie bereits seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hatte; ihre zarte Romanze war damals im Nichts verlaufen, sie hatten sich aus den Augen verloren. Und nun schien der richtige Zeitpunkt gekommen, die Bande neu zu knüpfen.
Als kleiner Hinderungsgrund erweist sich dabei der Mord, den Ochajon mit seinem Team aufzuklären hat.
Nach einigen Tagen ist zumindest die Identität des Opfers klar: Zhora heißt die junge Frau, die in Familie und Nachbarschaft ihres sonnigen Gemüts, ihrer schönen Stimme wegen allseits beliebt war. Wer sollte da ein Motiv für den Mord haben? Und wie konnte ein Mädchen, das doch nie einen Freund hatte, nie mit einem Mann gesehen wurde, schwanger sein?
Während der Nachforschungen stoßen die Ermittler immer wieder auf jahrealte Konflikte, deren Ursachen im jüdischen Klassensystem zu finden sind. Und sie werden mit einem dunklen Kapitel in Israels Geschichte konfrontiert: mit den Kindern, die jemenitschen Einwanderern Ende der 40er einfach weggenommen und zur Adoption weitervermittelt worden waren...
Wenn man bei diesem Buch nur den Kriminalfall betrachtet, wird man wahrscheinlich die Langatmigkeit und manchmal auch etwas konstruierte Plotführung bekritteln. Batya Gur schreibt aber viel mehr als nur einen Krimi; der Mord und dessen Aufklärung bieten bei ihr vor allem den Hintergrund für ein umfassendes Gesellschaftsportrait des heutigen Jerusalems und eine Möglichkeit, die Vergangenheit kritisch zu beleuchten.
Besonders begeistert war ich von der glaubhaften Schilderung des Ermittlerteams: Dani Balaliti ist so anstrengend und hat so viele unsympathische Charakterzüge, das er für mich zur realsten Person dieses Romans geworden ist.
Nach einer kurzen Einlesezeit habe ich diesen Krimi geradezu verschlungen und kann ihn aus ganzem Herzen allen Lesern empfehlen, die ein Faible für gesellschaftskritische Krimis haben.
Batya Gur wurde in Tel Aviv geboren. Sie war lange Jahre Dozentin für Literatur. Heute lebt sie als freie Autorin und Kritikerin der angesehenen israelischen Tageszeitung Haáretz in Jerusalem. Sie veröffentlichte mit großem Erfolg etliche Kriminalromane mit dem Kommissar Michael Ochajon und den von der Kritik gefeierten und in zwölf Sprachen übersetzten Roman "So habe ich es mir nicht vorgestellt"
©06.01.2004 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2009 LESELUST Daniela & Markus Brezing