Christine Grän - Hurenkind

Originaltitel: Hurenkind
Krimi. Goldmann Verlag 2001
253 Seiten, ISBN: 3570003930

Marie will Chefredakteurin werden. Um jeden Preis. Jedes Mittel ist ihr dazu recht - und weil sie hübsch ist und weiß, wie man kurzfristig Männerträume erfüllt, hat sie auch in kurzer Zeit viel erreicht auf dem Weg nach oben.

Anne dagegen ist es zufrieden, genug Geld zu verdienen, um die Familie über Wasser zu halten. Solange Leon da ist, und solange Leon sie liebt, kann ihr nichts etwas anhaben. Auch wenn die gesamte Last des Alltags auf ihr lastet, während Leon das schwer verdiente Geld in sein Liebkind, das alte Flugzeug steckt.

Dann lernt Marie Leons Bruder kennen. Einen reichen, wichtigen Mann. Auch er ist verheiratet - aber das ist kein Hindernis für Marie. Sie weiß: mit diesem Mann an ihrer Seite würden ihr alle Wege offen stehen. Doch dann begegnet sie Leon - und der Liebe….


Als Tochter eine Prostituierten ist Marie schon sehr früh mit der käuflichen Seite der Liebe in Berührung gekommen - nun will sie das, was sie dabei gelernt hat, auf anderer Ebene umsetzen. Sie will sich nicht für Geld verkaufen, nein - aber für Macht.

Anne dagegen hat sich so sehr in ihre Liebe zu Leon und ihrem Sohn festgefahren, dass sie sich selbst verliert. Und auch wenn sie im Laufe der Zeit immer mehr erkennt, dass auch in ihrer Welt nicht alles so schön ist, wie sie es sich selbst einzureden versucht - ein Leben ohne Leon ist für sie nicht vorstellbar.

Bis Marie kommt. Und Marie ist es gewöhnt, sich einfach zu nehmen, was sie haben will.

Die Geschichte wird jeweils aus der Perspektive der drei Protagonisten erzählt - abwechselnd von Marie, Anne und Leon. Auch in der Sprache lässt sich der unterschiedliche Charakter festmachen; Marie kalt und unbarmherzig, Anne unklar, undeutlich, verschwommen - und Leon mit seinem Freiheitswillen, der sich auf nichts festlegen will, für nichts und niemanden Verantwortung übernehmen will. Und gerade dadurch das große Drama verursacht.

Erschreckend, wie kalt ein Mensch gezeichnet werden kann - vor allem, weil Marie trotz allem sehr glaubwürdig bleibt. Ein Buch, das ich guten Gewissens weiterempfehlen kann, auch wenn es etwas zwiespältige Gefühle bei mir hinterlässt.

Christine Grän

Christine Grän wurde in Graz geboren, arbeitete als Journalistin und lebte fünf Jahre in Afrika. Als Autorin der Krimis um die Klatschreporterin Anna Marx, verfilmt für die ARD, wurde sie berühmt. Zuletzt erschien ihr Roman "Die Hochstaplerin", der von der Presse hymnisch gelobt wurde.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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