Terry Goodkind - Die Burg der Zauberer

Originaltitel: The Soul of the Fire
Fantasy. Blanvalet 2000
504 Seiten, ISBN: 3442352479

Kahlan, die Mutter Konfessor, und Richard Rahl, der Sucher, sind (nach acht Bänden) endlich verheiratet! Doch die finsteren Mächte lassen die beiden auch weiterhin nicht in Ruhe, denn die von Kahlan in Band 8 ausgesprochenen drei Grußformeln, die Richards Leben retteten, haben unerwarteterweise die Chimären in die Welt gebracht, die die Magie zum Verschwinden bringen und Tod und Schrecken verbreiten. Außerdem rückt Kaiser Jagang, der zahlreiche Schwestern des Lichts gefangenhält und von den Schwestern der Finsternis unterstützt wird, mit seiner brutalen Armee der Imperialen Ordnung näher und näher…

Wie immer in dieser Serie um das Schwert der Wahrheit ist auch der vorliegende neueste Band aus der Feder Terry Goodkinds eine äußerst komplexe Geschichte; ich versuche daher erst gar nicht, die Rollen all der vielen Personen, die inzwischen den Goodkind’schen Kosmos bevölkern, aufzudröseln. Einige Beziehungsmuster haben sich zwar mittlerweile erschöpft; doch scheint der Autor diesen Umstand selbst empfunden zu haben, denn mit dem armen Hakenierjungen Snip, der sich in einem Netz von Intrigen behaupten muß, hat er wieder eine neue faszinierende Gestalt erfunden, und wie bei seinen anderen lebendigen Charakteren bereitet es auch bei dieser Figur ein ausgesprochenes Lesevergnügen, ihrem Schicksal zu folgen.

Im übrigen ist Terry Goodkinds neuester Roman gewohnt erfindungsreich, voll überschäumender Phantasie und dennoch zugleich realistisch. Das liegt nicht zuletzt daran, daß der Autor differenziert zu schildern vermag und die
Protagonisten Zweifel und Irrtümer durchleben läßt. Es gibt in diesen Geschichten eben keine einfachen Wahrheiten; Terry Goodkind zeigt uns stets
aufs Neue, wie nahe Freude und Schmerz beieinanderliegen, wie dicht Mut und Angst, Gewißheit und Irrtum zusammengehören.

Die Geschichte der Hakenier und Anderianer, wie sie Kahlan gegen Ende des Buches erzählt, ist allerdings reichlich dürftig, ein Sammelsurium unglaubwürdiger Geschehnisse und psychologisch wenig überzeugender Vereinfachungen. Die perfekt funktionierende Gedankenkontrolle ist reichlich flach dargestellt; das kann Terry Goodkind wahrlich besser, wie er acht Bände lang bewiesen hat. Zeigte er sich doch bisher als ein Meister darin, fremdartige Kulturen glaubhaft zu beschreiben und seinen Figuren eine stimmige Psychologie zu geben.

Die sadomasochistischen Elemente, auch in diesem Band wieder ansatzweise vorhanden, sind sicher nicht jedermanns Geschmack, sind aber andererseits integraler Bestandteil der Geschichte und gleiten nicht ins Effekthascherische ab.

Bisweilen wird der Autor langatmig und erklärt oder wiederholt zuviel; dennoch ist es immer wieder erstaunlich, wie Terry Goodkind sein hohes Niveau über einen langen Zeitraum gehalten hat. Trotz gewisser Längen und der beschriebenen Mängel ist „Die Burg der Zauberer“ weit besser als alles, was es sonst Vergleichbares auf dem Markt gibt.

Terry Goodkind

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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