Originaltitel: The Bitter Taste of Time
Roman. Piper Verlag 2000
294 Seiten, ISBN: 3492234739
Sie haben die Geschichte der kleinen Stadt Canteira im Norden Spaniens entscheidend mitgeprägt; die Frauen der Familie Encarna und das Hotel, das sie führten.
Dabei war es ursprünglich aus einer Not heraus zum Hotel geworden; nachdem Marías Mann sich erhängt hatte und sie alleine für ihre zwei Schwestern und ihre beiden Töchter sorgen musste, bot es sich an, das große Haus für Fremde zu öffnen. Und die Fremden kamen gerne; kamen, um die Geschichten und Gerichte von Carmen zu genießen, und natürlich auch ein Auge auf die schöne, aber stolze María zu werfen.
Sie hatte nicht nur einem Mann den Kopf verdreht; aber einer war ihr ganz besonders verfallen: Manuel, der deutlich jünger war als sie, und den sie nie beachtet hatte. Ein Verhalten, dass der Frauenheld nicht gewöhnt war; normalerweise schaffte er es im Handumdrehen, jede Frau in sich verliebt zu machen. So auch Asunción, Marías Tochter, an die er sich heranmacht in der Hoffnung, dadurch der Mutter nahe sein zu können.
Doch María wehrt seine Avancen, als er deutlich wird, empört ab - und bezahlt ihm die Überfahrt nach Brasilien, auch wenn er seine Frau im Schoß der Familie zurücklässt, auch wenn er sein Kind nie sehen wird.
Die Historie bleibt auch von einem kleinen Städtchen im Hinterland nicht fern; Krieg durchzieht das Land, und auch die Encarnas haben mit Plünderungen, Vergewaltigung - und Schmuggel zu tun. Und sie werden reich...
Immer dann, wenn ich nahe dran war, das Buch endgültig in die Ecke zu feuern, weil mir ein spanisches Wort nach dem anderen um die Ohren geschmissen wurde, hat die Autorin dann doch noch die Kurve gekratzt und wieder angefangen zu erzählen.
Aber trotzdem die Geschichte dieser Frauendynastie durchaus interessant ist - wirklich weiterempfehlen würde ich sie nicht. Zu sehr hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass hier jemand unbedingt einen Roman in der Tradition eines Garcia Marquez, einer Isabel Allende schreiben wollte - nur nicht so gut.
Die Autorin stammt zwar ursprünglich aus Spanien, ist aber in Kanada aufgewachsen, hat ihr Buch auch in Englisch geschrieben. Es ist mir schon häufiger aufgefallen, dass Autoren, die einen Roman in einem Land ansiedeln, ihrem Buch einen Hauch Authentizität zu verleihen suchen, indem sie immer wieder Wörter der Landessprache einflechten. Auf mich hat das einen gegenteiligen Effekt: mich nervt es. Auch die gewollt episch angelegten Eröffnungssequenzen, die in jedem Kapitel aufs Neue zu überstehen waren, luden nicht gerade zum Weiterlesen ein.
Irgendwie ist das Buch nichts Halbes und nichts Ganzes: es will ein Generationen-Epos sein und dabei gleichzeitig die Geschichte des 20. Jahrhunderts abbilden, aber die Protagonisten füllen diesen Anspruch nicht aus; für ein einfacher gehaltenes, weniger großartiges Familiendrama vor historischem Hintergrund sind die Schicksale, die den Damen zugemutet werden, dann doch gar zu extrem. Die Frauengestalten bleiben eindimensional - leider.
Béa Gonzalez, geboren 1962 im spanischen Vigo, war sechs Jahre alt, als ihre Familie nach Kanada auswanderte. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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