William Goldman - Die Brautprinzessin

Originaltitel: The Princess Bride
Roman. Klett Cotta 1997
420 Seiten, ISBN: 3608932267

Als 10jähriger hatte William von seinem Vater immer wieder ein Buch vorgelesen bekommen, das für ihn seitdem zum absoluten Lieblingsbuch wurde; was lag also näher, als es seinem eigenen Sohn zu schenken, als dieser Zehn wurde!

Aber ganz von den Mühen abgesehen, die es bereitete, das Buch überhaupt aufzutreiben - zu Williams großer Enttäuschung teilte sein Sohn die Begeisterung für das Buch so gar nicht. Und nachdem er es daraufhin selbst zur Hand nahm, um es zum ersten Mal selbst zu lesen, verstand er auch, warum: sein Vater hatte ihm die ganze Zeit über nur die spannenden Teile daraus vorgelesen.

Daraufhin war William klar, was er zu tun hatte: das Buch so zu kürzen, dass nur noch die guten Teile übrigblieben. Gesagt, getan - und das Ergebnis halten wir heute in den Händen.

Und wovon handelt nun dieses Buch, das einen erwachsenen Mann dazu bringt, alle beruflichen Pläne hintan zu stellen, um eine gekürzte Ausgabe herauszugeben?

Es ist eine Geschichte von *Wahrer Liebe und großen Abenteuern*. Buttercup, ihres Zeichens ein wunderschönes Mädchen, wenn nicht das schönste überhaupt, stellt zu ihrer eigenen Überraschung fest, dass der Stallbursche Westley ja eigentlich recht attraktiv ist (schließlich gefällt er sogar hochgestellten Damen) - und dass sie ihn auch noch liebt! Und er sie auch - eigentlich könnte die Geschichte also gleich zu Beginn wieder zu Ende sein, sie haben sich gefunden und lebten fortan glücklich und zufrieden.

Aber nein. Westley will erst noch ein Vermögen in Amerika verdienen und Buttercup dann nachholen - nur leider wird das Schiff, auf dem er sich befindet, von Piraten überfallen. Und alle Passagiere werden getötet.

Auch wenn es erst so aussieht, als würde Buttercup diesen Schicksalsschlag nicht überleben - sie überlebt ihn doch. Und geht daraus nur noch schöner wieder hervor. So schön, dass sie die Aufmerksamkeit des Prinzen Humperdinck erregt, der sie daraufhin zu heiraten beschließt. Da ihre Alternative lautet: Heirate mich oder stirb, willigt sie ein - nicht ohne den Prinzen zu informieren, dass es von ihrer Seite nie Liebe geben wird.

Doch wenige Monate vor der geplanten Hochzeit wird sie entführt - von einem höchst seltsamen Trio. Ein superschlauer Sizilianer, der stärkste Mann der Welt und der weltbeste Schwertkämpfer - wie soll sie davor fliehen können? Doch sie werden verfolgt - von einem geheimnisvollen Mann in Schwarz, vor dem sie sogar noch mehr Angst hat. Er schafft es, Inigo im Schwertkampf zu besiegen, Fezzik zu bekämpfen und auch den superschlauen Sizilianer auszutricksen - doch erst, nachdem ihn Buttercup während eines unachtsamen Moments eine Schlucht hinunterstürzt, erkennt sie, wer sie hier gerettet hat - denn es ist, man hat es schon geahnt, ihr geliebter, nun doch nicht toter Westley.

Nach einer nicht im Buch enthaltenen Wiedersehensszene kämpfen sie sich durch schrecklichen Treibsand und Geysire durch, bekämpfen wilde Tiere - um dann, kurz vor ihrem Ziel, feststellen zu müssen: Der Prinz war schneller. Nun bleibt nur noch die Entscheidung, mit der Liebe ihres Lebens zu sterben - oder ohne Liebe zu lesen...

Auch wenn ich das endgültige Ende der Geschichte nicht mehr wirklich mochte, wenn der Autor dann leider die wunderbare Balance zwischen mega-kitschiger Geschichte und köstlichstem Humor nicht mehr schafft - ich habe mich bei diesem Buch wunderbar amüsiert.

Der Autor versteht es, schon im sehr, sehr langen Vorwort die Lachtränen in die Augen zu treiben; und danach ist da einerseits die Geschichte selbst mit ihren oft überraschenden Wendungen, die das Lesevergnügen aufrecht erhält - und die Zwischenkommentare des Autors, der zum Beispiel mitten in einer hochspannenden Szene innehält, um den Leser über den Ausgang derselben zu informieren. Schließlich hatte auch er als Kind, fiebrig vor Aufregung, diesen trostreichen Hinweis von seinem Vater erhalten.

Es gibt nichts, was wirklich ernstzunehmen ist an diesem Buch. Alles wird auf den Kopf gestellt, auf die Schippe genommen, überzeichnet - und das mit einer Sprache, die geradezu perfekt den richtigen Ton trifft.

Wie bereits erwähnt - die letzten 100 Seiten haben mich dann etwas enttäuscht. Hätte ich nochmals die Gelegenheit, würde ich nach dem offiziellen Ende einfach aufhören - und mir die Fortsetzung, das erste Kapitel von *Buttercups Baby* einfach schenken (so schwer es auch ist, ein Buch nicht zu Ende zu lesen, von dem man prinzipiell ja recht angetan ist).

Viel Spaß all jenen, die sich ein kindliches Vergnügen an Abenteuergeschichten bewahrt haben!

William Goldman

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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