Arthur Golden - Die Geisha

Originaltitel: Memoirs of a Geisha
Roman. Goldmann Verlag 1998
572 Seiten, ISBN: 3442726328

Er war der Held ihrer Kindheit; Herr Tanaka, der die Fischkonservenfabrik leitete und so gut duftete - und der so erstaunlich nett zu ihr war, was sie hoffen ließ, er würde sie vielleicht nach dem Tod ihrer Mutter adoptieren.

Doch es kam ganz anders. Ja, Herr Tanaka nahm sie und ihre Schwester mit, holte sie ab - aber nicht, um sie in sein schönes Haus zu bringen. Per Zug wurden sie nach Kyoto verfrachtet - und dann auch noch getrennt...

Chiyos neuer Aufenthaltsort ist eine Okiya, ein Geisha-Haus; erste Dame des Hauses ist Hatsumomo, die derzeit in den Teehäusern für Furore sorgt und als eine der ersten Geishas Kyotos gilt. Für Chiyo beginnt eine harte Zeit; von Hatsumomo von Anfang an gehasst, muss sie niedrigste Dienstbotenaufgaben übernehmen, sich schikanieren lassen - und doch ist ihr Los immer noch besser als das ihrer Schwester, die, wir sie etwas später dann doch noch erfährt, als Prostituierte arbeiten muss.

Nach kurzer Zeit darf Chiyo mit ihrer Ausbildung zur Geisha beginnen. In stundenlangen Übungen wird den Mädchen beigebracht, die Laute zu spielen, die Teezeremonie richtig durchzuführen, amüsant zu plaudern, sich zu schminken, zu tanzen, sich zu bewegen, die schweren Kimonos richtig zu tragen.

Aber Chiyo setzt ihre ganze Zukunft aufs Spiel, als sie von ihrer Schwester aufgefordert wird, mit ihr gemeinsam zu fliehen; es misslingt, sie wird entdeckt, hat sich auch noch den Arm gebrochen und steht nun schon alleine für die Begleichung der Arztkosten tief in der Schuld der Okiya.

Als Chiyo nach einer langen Leidenszeit sich schon beinahe in ihr Schicksal ergeben hat, erhält sie ein zweite Chance. Mameha, Hatsumomos größte Konkurrentin im Geishaviertel, nimmt sich ihrer an, bietet an, ihre Große Schwester zu werden - und damit eine Menge Verantwortung für sie zu übernehmen, schließlich führt eine Schwester die Jüngere in ihre Kreise ein, stellt sie ihren Kunden vor, vermittelt ihr die ersten Kontakte. Nach einer harten geschäftlichen Verhandlung mit der Mutter der Okiya stimmt diese zu, dass Chiyo ihre Ausbildung fortsetzen darf.

Ihr Debüt wird ein großer Erfolg; nach der rituellen Zeremonie erhält sie auch ihren neuen Namen, Nitta Sayuri. Sie wird schon bald als neuer Star im Geisha-Viertel gehandelt; aber die alte Feindschaft zu Hatsumomo besteht weiterhin, diese versucht alles, ihr zu schaden...

Dieses Buch ist zwar literarisch nicht besonders wertvoll, zeigt auch für meine Wünsche zu wenig persönliche Entwicklung der Protagonisten, lässt ihre inneren Konflikte weitgehend außen vor - aber es ist ein ausgezeichnet lesbares, sehr spannendes Buch über eine Kultur, die zumindest mir nicht in diesem Ausmaß bekannt war.

Was verstehen wir im Westen unter einer Geisha? Eine hochbezahlte Prostituierte - dass ihre eigentliche Aufgabe aber anderswo lag, welche Funktion sie in der japanischen Gesellschaft erfüllt, das kann man diesem Buch wunderbar entnehmen. Golden zeigt hier eine Gesellschaft, die es in dieser Form nicht mehr gibt; er lässt auch das Ende der Ära einfließen, den zweiten Weltkrieg, die Bedeutung, die das alles für das Geisha-Viertel hatte .

Ausgezeichnete Unterhaltung, die auch noch sehr interessante Einblicke vermittelt - ein Buch, das ich mit guten Gewissen weiterempfehlen kann.

Arthur Golden

Arthur Golden, 1957 in Tennessee geboren, studierte in Havard Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt japanische Kultur. Anschließend verbrachte er mehrere Jahre in Japan.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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