Originaltitel: Les Faux-Monnayeurs
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1926
444 Seiten, ISBN: 3423122080


Ein alter Liebesbrief seiner Mutter ist für Bernard der endgültige Beweis: er ist nicht der Sohn seines Vaters. Ihm länger auf der Tasche zu liegen kommt für ihn nicht in Frage; er hinterlässt einen Brief und begibt sich zu seinem Freund Olivier, der ihm ein Notquartier bietet.
Oliviers Bruder ist in den Kreis des bekannten und wohlhabenden Schriftstellers Robert de Passavent geraten; eigentlich war er nur auf der Suche nach einer Möglichkeit, beim Spiel genügend Geld zu gewinnen um seine und die Ehre der jungen Frau, die er geschwängert hatte, wiederherzustellen.
Sie war verheiratet, diese Frau; und sie war auch Oliviers Onkel Eduard sehr gut bekannt, ja, sie hatte einst gehofft, er würde sie bitten, ihn zum Mann zu nehmen. Doch für Eduard zählt Anderes; ihm liegt die Literatur am Herzen, er grübelt darüber, nicht nur das fertige Werk an sich, sondern auch den Entstehungsprozess festzuhalten.
Und so beginnt ein herrlich amüsant zu lesendes Verwirrspiel; Olivier und Eduard treffen sich am Bahnhof und sind beide zu gehemmt, ihre Zuneigung offen zu zeigen; Bernard findet Eduards Koffer und darin die literarischen Ergüsse; Robert de Passavant heckt einen Plan aus, Vincent von seinem moralischen Weg zu locken - und was Oliviers zweiter Bruder noch ausheckt, hätte niemand der Bande Jungs zugetraut...
Es ist ein Spiel mit Stilformen, mit Anspielungen auf bekannte literarische Werke und Autoren; es sind unzählige höchst amüsante Szenen oder auch nur Sätze enthalten - hier ein paar Beispiele:
Die jüdische Nase mag zu groß sein, die Nase der Protestanten aber ist unbestreitbar verstopft.
"Und so etwas nennt man Pariser Esprit", sagte Lilian, die sie eingeholt hatte. "Seien sie vorsichtig, Robert: Nichts welkt schneller!"
"Nur, wenn man es drucken lässt, meine Liebe, seien Sie unbesorgt."
Das alles sorgt dafür, dass dieser Roman sich wirklich wunderbar liest und gerade sprachlich große Freude bereitet. Wer allerdings darüber hinaus auch noch einen gut durchkomponierten Plot erwartet, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht sein; die Handlung spielt in diesem Buch die geringste Rolle. Trotzdem: von mir eine unbedingte Empfehlung!
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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