Originaltitel: The Glass Palace
Roman. btb (Bertelsmann Taschenbuch) 2003
597 Seiten, ISBN: 3442730368

Als Rajkumar als Zwölfjähriger in Mandalay den Abzug des letzten birmesischen Königs und seines Hofstaats miterlebt, hat er bereits einen schwere Zeit hinter sich. Seine Eltern waren einer Seuche zum Opfer gefallen, und nun war er als Ausländer zu einer Zeit im goldenen Land, als Inder hier nicht gerne gesehen waren.
Dolly war als Kindermädchen für die königliche Familie tätig; auch sie ein Waisenmädchen, fällt ihr die Entscheidung, ob sie der Königsfamilie ins Exil folgen oder in Birma bleiben soll nicht schwer.
Dieser Abzug unter den neugierigen Blicken der ganzen Bevölkerung sollte zur ersten Begegnung zwischen Dolly und Rajkumar werden, die ihn noch für sehr lange Zeit beschäftigte.
Aber erst darf der Leser miterleben, aus welchen Gründen die Engländer überhaupt Krieg gegen Birma führen: ja, richtig geraten, es sind wirtschaftliche Gründe. Es geht um Teakholz. Und Rajkumar schafft es mit Hilfe eines väterlichen Freundes sich ein Vermögen zu erwirtschaften.
Die königliche Familie, und mit ihr Dolly, ist in dieser Zeit in indischen Ratnagiri im Exil, unter strikter britischer Kontrolle. Für Dolly ist es ein großes Glück, als Umas Mann aus Bombay als Verwalter nach Ratnagiri bestellt wird; die beiden Frauen freunden sich an.
So unglaublich es auch klingt: aber Rajkumar kommt auf einer seiner Reisen nach Ratnagiri und begegnet Dolly hier wieder. Die beiden heiraten und kehren nach Birma zurück.
Fast ein Jahrhundert lang begleitet der Leser das Schicksal einer Familie und ihrer Freunde durch Birma, Indien und Malaysien; ja sogar nach Amerika verschlägt es einige von ihnen.
Geschichte an sich ist es auch, die dieses Buch interessant und lesbar macht; auf gefällige, sehr lesbare Weise wird uns hier Geschichtsunterricht erteilt, erfährt man Hintergründe, die zumindest mir weitgehend neu und fremd waren.
Was dabei aber leider zu kurz kommt ist die Personenzeichnung. Alles Personal in diesem Roman bleibt bloße Staffage, ein Rahmen, um den herum die Zeitgeschichte erzählt werden kann. Im ersten Teil des Romans hat mich das noch weniger gestört, da blieb zumindest noch eine gewisse Lebendigkeit; doch spätestens ab der Hälfte hat der Autor für mich endgültig versucht, zu viel in diesen Roman zu packen.
Dennoch: ein Roman, der durch seinen exotischen Schauplatz und den gefälligen Geschichtsunterricht interessant ist, und den ich entsprechend zwar nicht uneingeschränkt, aber doch weiterempfehle.
Amitav Ghosh, geboren 1965, verbrachte seine Kindheit in Dhaka, Colombo und Kalkutta. Er studierte Geschichte in Neu-Dehli und war bereits während seines Studiums als Journalist tätig. Nach der Promotion unterrichtete er an den Universitäten von Neu-Delhi, Kalkutta, Virginia und New York. Ghosh ist Autor mehrerer preisgekrönter Romane und Sachbücher. Heute lebt er mit seiner Familie in New York.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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