Adèle Geras - Sommerlicht

Originaltitel: Facing the Light
Roman. Blanvalet 2003
448 Seiten, ISBN: 3764501456

Die ganze Familie hatte sich wieder eingefunden in Willow Court, um Leonoras 75. Geburtstag zu feiern. Schließlich ging es diesmal nicht nur um ein Fest zu ihren Ehren, sondern auch um die Bilder von Leonoras Vater, Eduard Walsh. Der berühmte Maler hatte in seinem Testament angeordnet, dass seine Bilder Willow Court niemals verlassen durften - und nun interessierte sich ein Filmteam für ihn und sein Leben.

Doch bei den Gesprächen, die der Regisseur mit den einzelnen Familienmitgliedern führt, wird noch etwas anderes aufgewühlt.

Und während sich Rilla, Leonoras Tochter, mit den Erinnerungen an ihren kleinen Sohnes Mark herumschlagen muss, der gerade hier auf Willow Court im See ertrank, erlebt sie gleichzeitig, dass die anderen Dämonen ihrer Vergangenheit hier langsam an Bedeutung verlieren. Ihre neu erwachte Verliebtheit in den Regisseur hilft ihr, sich den unliebsamen Gedanken zu stellen.

Beth, Rillas Stieftochter, hatte ihrer Zeit hier in Willow Court schon entgegengefiebert. Endlich hatte sie wieder die Gelegenheit, sich lange und ausführlich mit Efe, ihrem Cousin, zu unterhalten, in den sie schon seit Kindertagen unsterblich verliebt war. Doch Efe hatte eine andere Frau geheiratet und war für sie nun verloren. Auch aus den erträumten Gesprächen wurde nichts; denn Efe hatte mit den Bildern seines Großvaters ganz andere Pläne, und war bereit, sich um jeden Preis durchzusetzen. Dass er auch vor roher Gewalt nicht zurückschreckte, wurde Beth schmerzlich bewusst...

Und dann noch Leonora selbst, die plötzlich so viel an ihre früh verstorbene Mutter denken musste. Was wusste sie wirklich über ihre Eltern, über ihr Zusammenleben? Warum hatte ihr Vater, der doch gar nicht so innig an ihrer Mutter zu hängen schien, nach ihrem Tod kein einziges Bild mehr gemalt?

Vier Generationen unter einem Dach - das bietet eine riesige Fülle an Konfliktstoff, und die Autorin bedient sich großzügig daraus. Mutter-Tochter-Konflikte über mehrere Generationen, unerfüllte Liebe, Tod, Selbstmord, Schuld und Leid - dass da die Grenze zum Kitsch schnell überschritten ist, kann man sich schon vorstellen. Gerade wenn es um Liebesbeteuerungen geht war meine Schmerzgrenze sehr oft erreicht; und der leicht mystische Anklang, der durch das Wahrnehmen von Parfumduft längst Verstorbener, Schatten, wo niemand war etc. eingebracht wurde hätte durchaus weggelassen werden können.

Mit ein paar Streichungen hier und da hätte daraus nämlich wirklich ein herrlicher Schmöker für kalte Winterabende werden können; die Autorin kann schreiben, hat ein Gespür für Dramatik und Spannungsbögen, und ihre Charaktere sind interessant und lebendig. Muss man nicht gelesen haben, aber für ein paar Stunden wird man sich ziemlich sicher gut damit unterhalten.

Adèle Geras

Im Alter von zehn Jahren hatte Adèle Geras schon mehr von der Welt gesehen als mancher in einem ganzen Leben. Geboren 1944 in Jerusalem, lebte sie als Kind unter anderem in Nigeria, Borneo und Gambia. Eigentlich wollte die Tochter eines britischen Kolonialbeamten Sängerin werden, doch die Liebe zu Sprache und Literatur war stärker. Sie studierte Französisch und Spanisch in Oxford und nahm danach einen Lehrauftrag an. Seit 35 Jahren lebt sie, glücklich verheiratet, in Manchester. 1973 wurde anlässlich eines Zeitungswettbewerbs ihr Schreibtalent entdeckt. Heute ist sie mit über 80 Büchern und zahlreichen literarischen Auszeichnungen eine der erfolgreichsten und renommiertesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Englands. „Sommerlicht“ ist ihr Romandebüt in der Belletristik für Erwachsene.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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