Elizabeth George - Vergiß nie, dass ich dich liebe

Originaltitel: I, Richard
Erzählung(en). Blanvalet 2002
316 Seiten, ISBN: 3764501480

Dass eine Autorin, die bei ihren Krimis in den seltensten Fällen unter 600 Seiten bleibt, plötzlich Kurzgeschichten verfasst, lässt zwar einmal kurz stutzen, aber noch nicht das Schlimmste vermuten. Wenn man die erste der fünf Erzählungen gelesen hat, bezweifelt man, dass diese Geschichte wirklich von der Erfinderin des Thomas Linley stammen kann.

*Schnappschuss* heißt diese Erzählung und handelt von einer Gruppe Amerikaner, die einen Sommerkurs in Cambridge belegt haben, deren Höhepunkt sie nach Abinger Manor führt. Abinger Manor ist zufällig der Landsitz einer Tante von Thomas Linley, der sich ebenso zufällig ausgerechnet an diesem speziellen Tag auch dort befindet. Und dann stirbt jemand. Herzversagen, vermuten alle. Alle, außer unser Thomas Linley natürlich, der den Fall dann auch ruckizucki aufklärt.

Die Autorin schreibt in ihrem Vorwort, dass sie diese Geschichte schon vor längerer Zeit geschrieben hatte, aber nie ganz zufrieden war - bis sie sie für den nun vorliegenden Erzählungsband überarbeitet hatte. Nun empfindet sie sie als geglückt... ein Urteil, dem ich mich wahrlich nicht anschließen möchte, denn mit einem so schwachen Motiv, einer so miserablen Charakterisierung traut sich ein Anfänger sicher nicht auf die Straße.

*Die Überraschung seines Lebens* ist zwar besser geschrieben, aber auch hier kommt das Talent der Autorin nicht zur Geltung; wenn man beim Lesen am Punkt angelangt ist *ich glaube, ich weiß, was noch passieren wird* - kann man wirklich aufhören zu lesen, denn genau das, was man vermutet, passiert auch. Kein noch so winziger Überraschungseffekt - und auch nicht so gut geschrieben, das man das verzeihen würde.

Aber es steigert sich weiter. *Ein guter Zaun reicht nicht immer* bringt uns eine Nachbarschaftsgeschichte, die ganz schön eklig ist und damit ganz gut zu unterhalten weiß, und *Vergiss nie, dass ich dich liebe* endlich hat mir dann wirklich gefallen. Vergiss nie, dass ich dich liebe - das waren die letzten Worte, die Charlies Mann vor seinem Tod zu ihr gesagt hatte. Und so sehr sie sein Tod trifft, anfangs findet sie noch Trost in diesen Worten. Dass allerdings niemand aus seiner Familie zur Beerdigung erschienen ist, trifft sie sehr, obwohl sie von der tragischen Geschichte aus seiner Vergangenheit weiß. Aber ihre Versuche, seine Eltern ausfindig zu machen, führen sie auf eine grauenhafte Fährte...

Mit der Krimireihe um Thomas Linley und Barbara Havers hat dieses Buch wirklich nichts zu tun; dass Linley in einer Erzählung vorkommt, fällt eher unter die Kategorie Bauernnepp. Muss man nicht gelesen haben.

Elizabeth George

Elizabeth George wurde am 26. 02.1949 in Warren, Ohio geboren. 1971 heiratete sie Ira Toibin. Sie war früher Highschool-Lehrerin für Englisch und Literatur mit Abschluss in Psychologie. Ihre Krimis zeichnen sich durch akribische Recherche und präzisen Spannungsaufbau aus. Die Autorin lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Zur Zeit werden ihre Romane von der BBC London verfilmt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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