|
Ein altes Sprichwort sagt, dass Schiffe in der Ferne jedermanns Hoffnungen an Bord tragen.
Für die vier Schiffe, die gemeinsam mit der Rising Sun im Jahr 1668 zur ersten großen schottischen Kolonialexpedition aufbrechen, gilt das in besonderem Maße.
Roderick Mackenzie ist jung, ehrgeizig und Buchhalter bei einem durchtriebenen alten Weinhändler in Edinburgh. Die
Rising Sun wird sein Leben verändern, denn es gelingt ihm durch eine Reihe von Zufällen sich zuerst einen Platz in den Vorbereitungen zu der großen Expedition zu verschaffen, und dann sogar an Bord des Schiffes zu kommen.
Darien, das heutige Panama, ist Ziel der gewagten Unternehmung. Die Schotten wollen endlich ihren gerechten Anteil an Englands Seemacht und beschließen in der Landenge Panamas einen Handelsposten zu gründen. Eine unglaubliche Aktienspekulation verschafft das Kapital für die Expedition, die mit fünf Schiffen aufbricht.
Aber nicht das neue schottische Weltreich wartet in Darien, sondern ein ungesundes Klima, die spanische Flotte und vor allem die eigene menschliche Unzulänglichkeit.
Douglas Galbraiths erster Roman kann sowohl als eine Abenteuergeschichte zu Lande und zur See im Stil von O'Briens Marineabenteuern, als auch als die Entwicklungsgeschichte des jungen Protagonisten gelesen werden.
Roderick, der sich selbst zum Chronisten der Expedition ernannt hat, wandelt sich durch die Begegnung mit Dummheit, Intoleranz, Ignoranz, Freundschaft und Mut vom naiven Jüngling zum erwachsenen Mann. Er erlebt Größe, wo er nicht damit gerechnet hat, Schwäche wo er sie nicht erwartet hat und Stärke wo er sie nicht vermutet hat.
Durch die Ich-Erzählung gibt Galbraith seinem Romanerstling eine bittere Nähe, die erreicht, was ein wahres Dokument aus der Zeit uns verschafft: Einblick in den Alltag, ohne vom Katheder herab zu dozieren oder sich durch den herablassenden Blick vom Heute auf das Gestern zu distanzieren. Trotzdem er immer wieder seine Geschichte vorantreibt, ist es nicht unbedingt das spannende Geschehen, sondern dieser Tagebuchton der uns fesselt. Rodericks Erzählung wird dunkler und pessimistischer, je mehr sich das Scheitern abzeichnet. Und ironischer, je mehr er selbst zu sich und seinem Enthusiasmus Abstand gewinnt und miterlebt, wie sich die Umstände des Klimas und der Region und die Eigeninteressen Einzelner sich gegen die Kolonisten wenden. Das Unternehmen endet im Desaster, in Krankheit und Meuterei.
Nur 300 von 2000 Kolonisten überleben das schottische Darienabenteuer, das die Nation im Norden der britischen Inseln endgültig ruiniert und auf die nächsten drei Jahrhunderte von England abhängig machen wird.
Galbraith hat nicht nur einen Abenteuerroman geschrieben, es ist ebenso ein Parabel auf Zivilisation, und Machtpolitik, wie auch ein Lehrstück über Aktienspekulation und skrupelloses Gewinnstreben.
Mitreißend geschrieben und unglaublich spannend.
|