Celia Fremlin - Zwielicht

Originaltitel: Listening in the Dusk
Krimi. Diogenes 1991
277 Seiten, ISBN: 3257227310

Als Alice erfährt, dass ihr Mann sich von ihr trennen will, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat, verlässt sie das Haus nur mit den Sachen, die sie tragen kann. Plötzlich mittellos ist sie glücklich über die Gelegenheit, doch ein kleines Zimmerchen gefunden zu haben - auch wenn dieses eigentlich mehr eine Rumpelkammer ist. Sämtliche Mieter scheinen hier ihre ungeliebten Besitztümer, die sie trotzdem nicht vernichten wollten, abgeladen zu haben.

Und eigentlich ist sie auch trotz dieser widrigen Umstände mit ihrer Wahl zufrieden; sie macht sich daran, das Zimmer dennoch wohnlich zu gestalten, ein wenig Platz für sich zu schaffen - und zieht dadurch ganz unverhofft den Zorn einer jungen Mitbewohnerin auf sich.

Diese, Mary, hält sich von jeder Gesellschaft fern, verlässt ihr Zimmer so gut wie nie - und wirkt völlig verstört und verängstigt. Und ganz offensichtlich hat sie in der Rumpelkammer etwas versteckt, das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit gelangen darf....

Was mich an den Büchern von Celia Fremlin sehr erfreut, sind die Details, die vielleicht für die Handlung nicht wichtig sind, aber eine gute Milieuschilderung erlauben.

So sind es diesmal so nette Beobachtungen wie die im gutbürgerlichen Haushalt mit zwei Kindern, wo großen Wert darauf gelegt wird, dem Nachwuchs kein geschlechtsspezifisches Rollenverhalten anzuerziehen - und die kleine Tochter deshalb eben ihren Traktor verarzten und füttern muss wie ein Baby....

Dies ist bereits eines der späteren Werke Celia Fremlin´s. Und für meinen Geschmack werden sie in sich immer stimmiger, ist das Motiv überzeugender als früher.

Gut und leicht zu lesen - ein netter Happen zwischendurch.

Celia Fremlin

Celia Fremlin, am 20.6.14 in Middlesex, England, als Tochter eines viktorianischen Gentleman geboren, studierte in Oxford klassische Philologie und Philosophie, erhält danach aber nur Hilfsjobs. Nach dem 2. Weltkrieg und dem Aufziehen von 3 Kindern beginnt sie zu schreiben und erhält bereits für ihren ersten Roman, "Die Stunden vor Morgengrauen" einen "Edgar".

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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