Celia Fremlin - Vaters Stolz

Originaltitel: King of the World
Krimi. Diogenes 1998
244 Seiten, ISBN: 325723161X

Eine Frau sollte es auf alle Fälle sein, kein Mann. Darin waren sich Bridget und Diana einig. Nur eine Frau käme als Erweiterung ihrer Wohngemeinschaft in Frage. Und zwar eine ebenso selbstbewusste, berufliche erfolgreiche Frau wie sie beide es waren.

Doch die Frau, die die telefonische Terminvereinbarung nicht abwartet sondern einfach vor der Tür steht, wirkt alles andere als selbstsicher. Bridget hätte sie ja sofort wieder vor die Tür gesetzt, doch Dianas Freund hatte einen Heidenspaß daran, die beiden Freundinnen aufzuziehen und ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden.

Grund genug gab es, warum man die Fremde nicht einfach so wieder vor die Tür setzen konnte - war sie doch gerade erst aus einem Frauenhaus geflüchtet, weil ihr Mann sie so geschlagen hätte.

So darf sie bleiben - auf Zeit, wie ihr immer wieder suggeriert wird. Doch dann hört Diana zufällig ein Telefonat mit an - und birst nahezu vor Neugierde. Denn die Abgründe, die sich hier auftun, kann man sich kaum vorstellen - fest steht nur: an der Geschichte der Fremden war kein wahres Wort.....

Ich weiß, ich wiederhole mich - aber immerhin habe ich auch schon genug Bücher dieser Autorin gelesen, und was ihr gestattet ist, soll mir nur recht sein.

Wie man von ihr erwarten kann, hat sie es auch bei diesem Buch geschafft, sehr genau zu beobachten. Und ihren Geschichten zu folgen ist, auch wenn sie nicht immer absolut überzeugend sind, ein Genuss.

Der verblendete Vater, dessen Stolz es nicht zulässt, die schwarzen Seiten an seinem genialen Sohn zu erkennen, ist gerade in seiner beruflichen Eigenschaft als Psychoanalytiker getroffen. Er müsse es wohl am Besten wissen, wenn mit dem Jungen etwas nicht in Ordnung wäre - oder etwa nicht?

Diese Frage zu beantworten will ich jedem Leser selbst überlassen....

Celia Fremlin

Celia Fremlin, am 20.6.14 in Middlesex, England, als Tochter eines viktorianischen Gentleman geboren, studierte in Oxford klassische Philologie und Philosophie, erhält danach aber nur Hilfsjobs. Nach dem 2. Weltkrieg und dem Aufziehen von 3 Kindern beginnt sie zu schreiben und erhält bereits für ihren ersten Roman, "Die Stunden vor Morgengrauen" einen "Edgar".

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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