Celia Fremlin - Die Spinnen-Orchidee

Originaltitel: The Spider Orchid
Krimi. Diogenes 1988
258 Seiten, ISBN: 3257217277

So war das alles nicht geplant. Das Arrangement, Rita ein- bis zweimal die Woche zu sehen, sich nach ihr sehnen zu können, ihr auch immer wieder versichern zu können, wie schön es doch wäre, wenn sie ganz bei ihm bleiben könne - all das empfand Adrian durchaus als sehr befriedigend.

Doch nun hat Rita seine Träume wahrgemacht - hat ihren Mann verlassen und ist bei ihm eingezogen. Und schon von Anfang an merkt Adrian, das etwas völlig falsch läuft.

Und vor allem droht diese neue Komplikation auch das wunderbare Sonntagsritual zwischen Vater und Tochter zu zerstören; beide genießen es, sich in völliger Stille im Arbeitszimmer zu vergraben, und nur wenig miteinander zu sprechen.

Die Tochter ihr vorgezogen? Das kann Rita nicht auf sich sitzen lassen. Und als ihr dann das Tagebuch des Mädchens in die Hände fällt, hat sie plötzlich ein Mittel in der Hand, die Liebe zwischen Vater und Tochter empfindlich zu stören....

Der ganz private kleine Horror. Das ist das Thema in diesem Buch - ein Roman über eine Liebe, die durch die Erfüllung sehr schnell stirbt, über die vielen Kleinigkeiten, an denen ein Traum sich rasch zum Albtraum wandeln kann.

Man kann einfach nur schmunzeln, wenn man Adrian zusieht, wie er nicht in der Lage ist, die Situation wieder in den Griff zu bekommen - oder der neugierigen Hauswirtin, die in Notsituationen trotzdem in wenigen Sekunden alles im Griff hat.

Aber es sind auch viele Unglaubwürdigkeiten in der Motivation der handelnden Personen versteckt - die zwar zweifellos dem Fortgang der Handlung dienlich sind, aber ganz und gar nicht hinterfragt werden dürfen. Was bringt zum Beispiel den verlassenen Ehemann dazu, sich plötzlich in das Spiel mit hineinziehen zu lassen?

Auch die Auflösung ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen - aber das ist ohnehin ein Schwachpunkt in vielen von Celia Fremlins Romanen. Doch man verzeiht es ihr gerne, weil ihre Bücher zumindest für mich einen guten Unterhaltungswert besitzen.

Celia Fremlin

Celia Fremlin, am 20.6.14 in Middlesex, England, als Tochter eines viktorianischen Gentleman geboren, studierte in Oxford klassische Philologie und Philosophie, erhält danach aber nur Hilfsjobs. Nach dem 2. Weltkrieg und dem Aufziehen von 3 Kindern beginnt sie zu schreiben und erhält bereits für ihren ersten Roman, "Die Stunden vor Morgengrauen" einen "Edgar".

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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