Franzobel - Scala Santa

Originaltitel: Scala Santa
Roman. Zsolnay Verlag 2000
394 Seiten, ISBN: 3552049568

Josefine Mutzenbacher - der Name der Wiener Dirne, die ihre Memoiren niedergeschrieben haben soll, ist wohl fast jedem bekannt.

Ausgehend davon erzählt Franzobel einerseits die Geschichte einer Wiener Göre, die als Kind ihre ersten sexuellen Erfahrungen macht - in einer Umgebung, die von skurrilen Gestalten nur so wimmelt.

Am Begräbnis der Großmutter beginnt ein heftiger Flirt zwischen der Mutter und einem Verwandten; die Folge davon ist: Mord.

Aber kurz zuvor wird im Keller des Hauses noch eine andere Leiche gefunden, die eines kleinen Mädchens, mit dem Josefine erst kurz zuvor noch gespielt hatte.

Und nun begibt sich die Polizei auf Spurensuche... und alle Fäden führen nach Rom...

Die Handlung dieses Romans mit den unzähligen Personen, die auch noch unmögliche Namen haben, nachzuerzählen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Zumal die Handlung ja auch nicht das Wesentliche dieses Buches ist, wage ich zu behaupten.

Ja, es gibt die augenzwinkernde Anlehnung an die Mutzenbacher; aber eigentlich ist es nur eine völlig wilde Geschichte, weshalb ich nach zwei Drittel eigentlich auch das Interesse etwas verloren hatte.

Der eigentliche Reiz dieses Romans ist die Sprache. Franzobels Bilder sind sehr deutlich, drastisch und... anders.

Es ist eine Sprache, deren eigentlicher Zauber sich erst erschließt, wenn man sie laut liest. Freunden eigenwilliger Sprachkompositionen kann ich diesen Roman wärmstens ans Herz legen.

Franzobel

Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, lebt als freier Autor in Wien. Bis 1991 bildender Künstler mit gelegentlichen Ausstellungen. Mehrere Auszeichnungen, darunter 1995 den Ingeborg- Bachmann-Preis und 1998 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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