Dick Francis - Weinprobe

Originaltitel: Proof
Krimi. Diogenes 1996
352 Seiten, ISBN: 325722754X

Ein schönes Fest zum Ausklang der Rennsaison sollte es werden. Jack hatte alle Besitzer der Pferde eingeladen, die er trainierte, dazu Freunde, Bekannte - ein rauschendes Fest. Und Tony Beach sollte mit seinem Champagner dazu beitragen, dass das Fest ein Erfolg würde.

Aber während Tony nur kurz das Zelt verlässt, um für Nachschub zu sorgen, merkt er aus dem Augwinkel eine Bewegung. Eine fatale Bewegung: ein Pferdelaster hat sich selbständig gemacht und rast auf das Festzelt zu.

Ein erschütternder Vorfall; für Tony jedoch hat er noch mehr Konsequenzen, als er zu Beginn ahnen kann. Einer der Verwundeten hatte auf dem Weg zum Krankenhaus Sätze von sich gegeben, die die Beamten hellhörig werden ließen: da war die Rede von gepanschtem Whiskey - und von ihm, Tony Beach.

Nein, er, der kleine Weinhändler, sollte nicht beschuldigt werden; aber er wäre wohl in der Lage, Whiskey- und Weinsorten am Geschmack zu erkennen. Und ehe er sich versieht, besucht er mit einem Polizeibeamten das angegebene Lokal - und wird fündig. Der Inhalt entspricht nicht dem Etikett; und auch wenn es eigentlich gar nicht mehr gefragt ist: er will trotzdem auch wissen, wie es um die Weinkarte bestellt ist. Ein Volltreffer.

So treffend, dass er unbedacht in ein Wespennest gestochen hat; denn plötzlich interessiert sich nicht nur die Polizei für ihn, auch ein Privatdetektiv will seine Dienste in Anspruch nehmen. Doch das fatalste ist das Interesse, das er bei den Weinpanschern hervorruft...

Ein etwas untypischer Dick Francis; nicht nur, dass Pferde eine so marginale Rolle spielen, dass man sie kaum wahrnimmt, nein, auch der Protagonist des Buches entspricht nur wenig dem sonst üblichen Typus.

Denn Tony Beach ist kein Held. Er ist seit einem halben Jahr Witwer und hat seither all seine Lebenslust verloren. Schmerzen steckt er nicht einfach so weg - ihm ist anzumerken, dass die Schrotkugeln, die in seinem Arm steckten, mehr Auswirkungen zeigen als einen halben Nachmittag im Krankenhaus. Und vor allem hat er Angst.

Aber nichts desto trotz: dieser Krimi rund um die Weinflasche bietet auf jeden Fall das, was man von einem Dick Francis erwartet. Er ist unterhaltsam, spannend, man gerät über Äußerungen wie "Martineau ist eigentlich schon fast zu komfortabel, um britisch zu sein" ins Schmunzeln. Und lernt nebenbei noch ein wenig über Wein und Whiskey: wie abgefüllt wird, welche Geschmacksnoten man erkennen kann, was die Unterschiede ausmacht, aber auch, wie so eine Abfüllerei denn aussieht, mit welchen Problemen sie zu kämpfen hat.

Dass ganz nebenher auch noch das Recht von der anderen Seite aufgerollt wird, und nicht jede Straftat auch gerichtlich belangt werden muss - das erhöht den Reiz beim Lesen.

Vergnügliche Stunden, entspannend - "nett" ist wohl die passendste Bezeichnung. Und: wer einmal Feuer gefangen hat für diesen Autor, der will langsam, aber sicher, alle seine Romane lesen. Zum Glück gibt es sehr viele davon.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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