Dick Francis - Verrechnet

Originaltitel: To the Hill
Krimi. Diogenes 1996
388 Seiten, ISBN: 3257231385

Dass Alexander Kinloch das schwarze Schaf in seiner Familie ist, würde keiner leugnen; schließlich hatte er alle Angebote, in den Betrieb seines Stiefvaters einzusteigen ausgeschlagen, um sich weiterhin seiner großen Leidenschaft widmen zu können: der Malerei. Dass er damit durchaus sehr erfolgreich war, blieb dabei natürlich unerwähnt.

Als er dann aber die Nachricht erhält, dass sein Stiefvater einen Herzanfall hatte, gibt es für ihn dennoch nur eine Möglichkeit: es muss zu seiner Mutter, muss ihr in dieser Zeit zur Seite stehen. Aber so rasch, wie er sich das dachte, ließ sich der Vorsatz nicht in die Tat umsetzen: Vor seiner völlig abseits gelegenen Hütte lauerten vier Wanderer ihm auf - und verprügelten ihn nach Strich und Faden.

Wonach sie genau auf der Suche waren, hatten sie nicht verraten; doch dass Alexander ein Händchen dafür hatte, Dinge zu verstecken, war in der Familie ebenfalls bekannt. Und zu verstecken gab es wohl mehr als genug; denn als Alexander endlich bei seiner Familie angelangt war, wurde ihm mitgeteilt, dass die florierende Brauerei des Stiefvaters kurz vor dem Bankrott stand - und dass der Finanzdirektor verschwunden war, seit das Fehlen der Millionen entdeckt worden war.

Ausgerechnet Alexander soll nun während der Krankheit des Stiefvaters die Geschäfte leiten - sehr zum Ärger seiner Stiefschwester, die immer schon die Befürchtung hegte, von ihm um ihr Erbe gebracht zu werden...

Wie man vom Konkurs einer Brauerei trotzdem den Bogen schwingt zur Rennbahn? Keine Bange - da gibt es Mittel und Wege! Was wäre schließlich ein Kriminalroman von Dick Francis ohne Pferde, ohne die Atmosphäre, die auf der Rennbahn herrscht! Und auch wenn in diesem Buch deutlich andere Themen im Vordergrund stehen (dies als Information für die Leser, die eigentlich keine Bücher über Pferde lesen wollen) - Dick Francis bleibt sich selbst treu.

Muss ich noch dazusagen, dass es sich um ein Buch handelt, dass von der ersten bis zur letzen Seite spannend war? Dass es wieder genug Gelegenheiten gibt, den feinen Humor des Autors zu genießen, wenn er zum Beispiel die Dienste eines Privatdetektivs schildert, der ein ganz spezielles Talent zum Verkleiden hat? Oder dass es einfach ein Genuss ist, der wenig effekthascherischen Erzählweise des Autors zu folgen, die sich so angenehm von manch anderem Buch in diesem Genre abhebt? Aber was erzähle ich - Qualität muss man nicht anpreisen, sie überzeugt von selbst!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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