Dick Francis - Todsicher

Originaltitel: Dead Cert (dt. Erstausgabe unter dem Titel "Aufs falsche Pferd gesetzt")
Krimi. Diogenes 2002
360 Seiten, ISBN: 3257225393

Dass sein Freund Bill Davidson dieses Pferderennen gewinnen würde, war ein todsicherer Tipp. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, da sein Pferd beim letzten Hindernis stürzt und den Jockey unter sich begräbt.

Alan York reitet hinter ihm, und irgendetwas an der Art, wie das Pferd am höchsten Punkt der Sprungbahn abrupt stoppte, ein Blitzen, aus dem Augenwinkel wahrgenommen, irritiert ihn; ein Gefühl nur.

Und richtig: als er nach dem Rennen das Hindernis begutachtet, findet er eine Rolle Draht im Gebüsch, eine Rille im Pfosten – hier hat eindeutig jemand manipuliert. Aber es ist spät, keiner mehr zu erreichen, auch schon zu dunkel, und außerdem ist da noch der beste Freund im Krankenhaus und kämpft um sein Leben – kurz, er zeigt die Falle niemandem.

Als er am nächsten Tag mit der Polizei zurückkommt, finden sie keine Spuren mehr. Hat er alles erfunden? Aber der einzige Begünstigte durch Bills Tod war Alan selbst – und warum sollte er einen ganz offensichtlichen Unfall dann als
Verbrechen melden?

Zumindest einer der Polizeibeamten glaubt ihm – trotzdem wird der Fall als abgeschlossen betrachtet. Nicht aber für Alan. Der will den Tod seines Freundes aufklären – und gerät dadurch selbst ins Schussfeuer der Organisation, die nicht nur für Bills Tod verantwortlich zeichnet…

Wer wirklich hinter der brutalen Bande steckt, und ob nun Alan oder sein Freund Dane das Rennen bei der bildhübschen Kate macht, die zum Geburtstag von ihrem Onkel ein Rennpferd geschenkt bekommen hat, ist sehr kurzweilig zu lesen.

Wieder einmal wird man eingeführt in die Welt des Rennsports, erfährt von den vielfältigen Möglichkeiten, ein Rennen zu manipulieren. Um zu verstehen, nach welchem System diese Pferdewetten funktionieren, muss ich allerdings wohl wirklich erst alle Bücher dieses Autors lesen.

„Todsicher“ ist eines der frühen Bücher, bereits 1962 erschienen. In der Zwischenzeit hat Dick Francis einiges dazugelernt, was zum Beispiel das Lenken der Verdachtsmomente des Lesers angeht. Bei diesem Krimi bleiben am Ende ein paar Fragen offen, die hier zu stellen aber leider auch einen Teil der Auflösung vorweg nehmen würde.

Auch was Herzensdinge angeht erscheinen neuere Werke etwas differenzierter; in „Todsicher“ fehlt ein wenig die ironische Distanz, die Francis sonst in der Schilderung so wunderbar spüren lässt.

Dafür ist das Finale ausgesprochen gut geglückt; atemlos liest man immer weiter, hoffend, dass die bösen Ahnungen sich nicht bewahrheiten – alles in allem also ein echter Dick Francis: Gute Unterhaltung, solide aufbereitet, aber nicht sein bestes Werk.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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