Dick Francis - Scherben

Originaltitel: Shattered
Krimi. Diogenes 2002
307 Seiten, ISBN: 3257063105

Das Päckchen, das Gerard Logan vom Jockeydiener in die Hand gedrückt bekommt, interessiert ihn im ersten Augenblick kaum. Zu tief sitzt der Schock über den schlimmen Sturz seines besten Freundes Martins, der den Unfall nicht überlebt hat.

Eine Videokassette ist es, das ist alles, was er vorerst registriert, bevor er, um sich abzulenken, wieder in seinen Laden zurückgeht und für die Touristen Souvenirs aus Glas herstellt; schließlich ist Silvester 1999, ein Glaskunstwerk, an diesem Tag gefertigt, erhält einen besonderen Wert.

Noch dazu war Gerard Logan nicht irgendwer; im Laufe der letzten Jahre hatte er sich einen guten Namen in seiner Branche gemacht, er war für präzise Arbeit, Talent, Kreativität und Zuverlässigkeit bekannt geworden. So wie auch sein Freund Martin ein Garant war für Höchstleistungen im Rennsport.

Aber nun, nach seinem Tod, wackelt sein Ruhm; er soll in eine Sache verwickelt gewesen sein, die nicht ganz sauber war. Und die Videokassette, die Gerard unmittelbar nach seinem Tod erhalten hatte, hängt unmittelbar damit zusammen. Nur leider ist es Gerard unmöglich festzustellen, welcher Art die Geheimnisse seines Freundes waren - denn besagte Videokassette wurde noch in der Silvesternacht aus seinem Laden gestohlen. Als kurz darauf ein Überfall auf Martins Familie erfolgt und auch hier sämtliche Videobänder und Geräte gestohlen werden, wird er misstrauisch...

Die klassischen Elemente eines Dick Francis sind natürlich auch in diesem Roman wieder vorhanden: da ist Gerard Logan, ein Mann in den besten Jahren, ein Einzelgänger. Hart arbeitend, diszipliniert, und vor allem: ehrlich und mutig. Dass er bei seinen Nachforschungen auch eine Menge Prügel bezieht, versteht sich ebenfalls; und dass Gerard Logan in dem, was er macht, nicht nur erfolgreich ist, sondern vor allem auch wirklich gut, braucht ebenfalls nicht in Frage gestellt zu werden. In diesem Fall handelt es sich um die Glasbläserei; und wie immer ist es dem Autor gelungen, so lebhaft und anschaulich davon zu berichten, dass man beim Lesen das Gefühl bekommt, wieder einmal mit einer neuen Welt, einer Nische, vertraut geworden zu sein.

Eigentlich sind es nur minimale Kleinigkeiten, die für mich bewirkt haben, dass Dick Francis neuester Roman für mich nicht automatisch vier Sterne erhält; zum Beispiel, dass das Motiv zwar durchaus real, aber trotzdem nicht völlig durchdacht wirkt.

Alles in allem aber: wie immer ein Krimi, den ich mit Genuss an einem freien Nachmittag verschlungen habe, und der mich mit dem angenehmen Gefühl zurückließ, ein befriedigendes Buch gelesen zu haben.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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