Dick Francis - Rat Race

Originaltitel: Rat Race (dt. Erstausgabe unter dem Titel "Airtaxi ins Jenseits")
Krimi. Diogenes 2002
296 Seiten, ISBN: 3257229895

Für einen Piloten mit Klassifikationen, wie Matt Shore sie vorweisen kann, ist ein Job als Pilot eines Lufttaxis nicht unbedingt als Höhepunkt der Karriere zu betrachten. Doch diverse Unannehmlichkeiten in der Vergangenheit hatten ihm nicht mehr viele Möglichkeiten offen gelassen - einmal zu oft war er mit dem Handelsministerium aneinandergeraten, weil er die starren Vorschriften für die Luftfahrt übertreten hatte.

Und auch diesen Job sollte er nicht lange ausüben, ohne mit dem Ministerium in Kontakt zu geraten - denn schon sein erster Auftrag endet in einer Katastrophe. Es war ganz harmlos - 4 Passagiere zur Rennbahn zu fliegen und danach wieder nach Hause. Doch auf dem Heimweg merkt Matt eine kleine Unregelmäßigkeit am Flugzeug und entscheidet sich für eine Notlandung. Gerade noch rechtzeitig - denn kaum, dass er mit allen Passagieren das Flugzeug verlassen hat, fliegt es in die Luft.

Eine Erklärung für diesen Anschlag kann niemand liefern. Zwar ist Colin Ross, einer der Passagiere, als erfolgreicher Jockey gewiss auch einigen Neidern ausgesetzt, aber dass man ihm nach dem Leben trachtet, erscheint doch ziemlich weit hergeholt.

Aber kurz danach gibt es einen zweiten Zwischenfall; und diesmal ist es nicht Matt, der am Steuer des Flugzeugs sitzt, sondern Colin Ross´ Schwester Nancy, die noch kaum Erfahrung als Pilotin hat. Also bricht Matt wieder einmal sämtliche Vorschriften, um die beiden Geschwister, die ihm entgegen aller Vorsätze ans Herz gewachsen waren, wieder sicher auf den Boden zu bringen.

Doch das klärt nicht, warum sich die Unregelmäßigkeiten und unglückseligen Zwischenfälle häufen; wider jede Vernunft sieht Matt sich in eine Position gedrängt, wo er nicht länger aus der Distanz gleichgültig beobachten kann, sondern seinen neu gewonnenen Freunden beispringen muss. So gefährlich das auch sein mag...

Diesmal stehen nicht die Pferde im Mittelpunkt des Krimis, sondern Flugzeuge - auch wenn natürlich auch diesmal Jockeys und Hindernisrennen den gesellschaftlichen Rahmen abgeben.

Auf sehr spannende Weise erzählt Dick Francis hier von Intrigen und gefährlichen Situationen - aber vor allem auch vom Fliegen, von den Regeln der Luftfahrt, von der Schwierigkeit, ohne Navigationssysteme zu fliegen. Einmal mehr ist es ihm also gelungen, Fakten so aufzubereiten, dass man das Gefühl hat, neben aller Unterhaltung auch noch ein paar Fakten mitgeliefert zu bekommen. Und sich darauf verlassen zu können, dass diese Informationen mit Sicherheit zuvor gut recherchiert wurden - schließlich war Dick Francis selbst bei der Royal Air Force und führte mit seiner Frau lange Jahre ein Lufttaxi-Unternehmen.

Wer Lust auf ein paar spannende Stunden hat, Wert auf gut erzählten Plot legt und auf ansprechende Sprache, der ist hier auf alle Fälle richtig - einer der besten Dick Francis, die ich bislang gelesen habe!

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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