Dick Francis - Nervensache. Ein Sid-Halley-Roman

Originaltitel: Odds Against (dt. Erstausgabe unter dem Titel "Die Chancen stehen schlecht")
Krimi. Diogenes 1993
257 Seiten, ISBN: 3257225407

Eigentlich hatte Sid Halley seinen Job in der renommierten Privatdetektei Radnor eher seinem alten Ruf als Jockey und dem Einfluss seines Schwiegervaters zugeschrieben als seinem Talent; schließlich war er jetzt zwei Jahre lang dabei, ohne jemals einen eigenen Auftrag bekommen zu haben. Nur zum Lesen der Berichte anderer war er bislang nütze; und sein einziger Einsatz vor Ort endete dann auch gleich mit einer Kugel im Bauch.

Jockeys sind zäh. Müssen sie sein; und so verkraftet auch Sid diese Verletzung relativ gut; die Einladung seines Schwiegervaters, ihn auf dem Land zu besuchen, nimmt er natürlich trotzdem an. Auch der seltsamen Einladung zum Abendessen, für dass extra seltene Gesteine in den Vitrinen aufgestellt werden, leistet er Folge - um dort dann aufs Schlimmste beleidigt und degradiert zu werden. Alle negativen Punkte seiner Vergangenheit werden hier herausgekarrt; seine Unehelichkeit, die Tatsache, dass er keinen ordentlichen Beruf erlernt hat, seine mangelnde Größe - und natürlich seine verstümmelte Hand.

Dass er diese Verletzung bei seinem letzten Rennen als Jockey davongetragen hatte, dass er überhaupt auf eine ausgesprochen erfolgreiche Karriere und auch ein ziemlich ansehnliches Vermögen zurückblicken konnte, verschwieg der Schwiegervater. Warum nur?

Auch das verrät er bald: denn der Gast dieses Abends, Mr. Krayne, steht für den Schwiegervater im Verdacht, hinter dem Aufkaufen der Anteile diverser Rennbahnen zu stehen; eine der Rennbahnen hatte schon der Umwidmung als Bauland weichen müssen, und nun schien man es auf Seabury abgesehen zu haben.

Diese alte Rennbahn in traumhafter Lage wäre natürlich als Bauland Unsummen wert; aber die Pechsträhne, von der die Veranstalter verfolgt werden, scheint ein Weiterbetreiben als Rennbahn bald nicht mehr lukrativ zu halten....

Es ist ein ziemlich frühes Buch von Dick Francis, und der erste Band, in dem Sid Halley vorgestellt wird - die einzige Figur übrigens, die in mehr als einem Roman eine herausragende Rolle spielt.

Einerseits muten Zeiten, in denen in Büros nur ein Telefon für mehrere Mitarbeiter zur Verfügung standen, mittlerweile nahezu antik an; aber diese zeitlichen Details sind auch das einzige Merkmal, an dem man erkennt, einen älteren Roman in Händen zu halten.

Trotzdem: ja, es ist ein spannender Roman, ja, er ist in typischer Francis-Manier geschrieben; aber in der Ausarbeitung der Motive habe ich von diesem Autor schon besseres gesehen.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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